Dienstag, 18. August 2026

18.8.2026: Vom Frachtschiff direkt zurück zum Koffer – der Alltag hat mich wieder

Heute Morgen habe ich erst einmal etwas länger geschlafen. Das war allerdings nicht ausschließlich der Erholung nach meiner Frachtschiffreise geschuldet. Nach der weitgehenden Alkoholabstinenz an Bord hatte ich mir gestern Abend zu Hause erst einmal ein Bier gegönnt – und anschließend offenbar einen Becherovka zu viel. Man könnte auch sagen: Meine Trinkfestigkeit hat während der Reise ein wenig unter der mangelnden Trainingspraxis gelitten. Jedenfalls war Ausschlafen heute eine ziemlich gute Entscheidung.

Nach einem kurzen Frühstück meldete sich dann relativ schnell der berufliche Alltag zurück. Ich habe mit meinem Chef telefoniert und schon einmal die wichtigsten Themen besprochen. Schließlich stehen morgen und übermorgen wieder zwei Bürotage in Grevenmacher an, und nach meiner Abwesenheit gibt es einiges zu erledigen. Die schöne Zeit auf dem Frachtschiff ist damit endgültig vorbei – jetzt warten wieder Richtlinien, Protokolle, Termine und die diversen anderen kleinen Freuden des Berufslebens.

Bevor ich mich allerdings wieder vollständig dem Schreibtisch hingebe, ging es heute erst einmal ins Sportstudio. Nach einer Woche an Bord hatte ich richtig Lust darauf, mich wieder ordentlich zu bewegen. Das Training hat entsprechend viel Spaß gemacht und tat nach den vielen Stunden auf dem Schiff richtig gut. Auch wenn ich dort viel an Deck unterwegs war: Ein Fitnessstudio ersetzt ein Containerschiff dann doch nicht ganz.

Auf dem Rückweg habe ich noch einen kurzen Zwischenstopp bei Lidl eingelegt und ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Wieder zu Hause war anschließend erst einmal Kaffee angesagt. Manche Dinge ändern sich eben auch nach einer Frachtschiffreise nicht.

Danach wurde es noch einmal produktiv. Ich habe einige Texte fertiggestellt und abgegeben und damit schon wieder die ersten Punkte von meiner nach dem Urlaub erwartungsgemäß gewachsenen Aufgabenliste streichen können. Das gute Gefühl, etwas erledigt zu haben, war also ziemlich schnell wieder da.

Und jetzt stehe ich schon wieder vor einem alten Bekannten: meinem Koffer. Gestern habe ich ihn nach der Rückkehr aus Bremerhaven ausgepackt, heute wird er bereits wieder gefüllt. Besonders lange durfte er sich also nicht von unserer gemeinsamen Reise erholen. Morgen früh geht es für zwei Tage nach Grevenmacher, und dort wartet einiges an Arbeit auf mich.

So schnell kann der Wechsel gehen: Gestern noch Bilder von Kristiansand, Kopenhagen, Danzig und dem Nord-Ostsee-Kanal sortiert, heute Fitnessstudio und Texte, morgen wieder Luxemburg.

Die Frachtschiffreise fühlt sich dadurch schon fast ein wenig unwirklich an. Zum Glück habe ich genügend Fotos und Videos gemacht, um mir zu beweisen, dass ich tatsächlich unterwegs war.

Jetzt wird aber erst einmal fertig gepackt. Und heute Abend lasse ich den Becherovka vorsichtshalber in der Flasche. Morgen früh möchte schließlich nicht nur der Koffer nach Grevenmacher – ich muss auch noch mit.

Montag, 17. August 2026

17.8.2026: Wieder festen Boden unter den Füßen – nur die Bahn schaukelte noch ein bisschen nach

Heute war es tatsächlich so weit: Meine Frachtschiffreise ist endgültig zu Ende gegangen und die Heimreise von Bremerhaven stand an. Nach all den Tagen auf See, in Häfen und auf dem Nord-Ostsee-Kanal fühlte sich das schon ein bisschen merkwürdig an. Gerade hatte ich mich an das Leben an Bord gewöhnt, und plötzlich hieß es Koffer nehmen und Abschied nehmen.

Nach dem letzten Frühstück an Bord ging es mit dem Shuttle zum Terminal. Dort begann allerdings gleich die erste Geduldsprobe des Tages. Wir brauchten ein Taxi, konnten aber keines bestellen und warteten entsprechend lange. Immerhin gab es währenddessen etwas zu sehen, denn parallel lag Mein Schiff 1 am Kai. Der Kontrast war schon interessant: hier das große Kreuzfahrtschiff und ich gerade frisch von meinem deutlich weniger touristischen Containerschiff herunter.

Irgendwann tauchte tatsächlich ein Taxi auf. Bevor noch jemand auf andere Gedanken kommen konnte, haben wir uns das kurzerhand geschnappt. Damit war die erste Hürde der Heimreise genommen und es ging weiter zum Bahnhof.

Bis Bremen lief anschließend alles erstaunlich gut. Ich hätte eigentlich misstrauisch werden müssen. Denn in Bremen erinnerte mich die Deutsche Bahn dann daran, dass zu einer ordentlichen Heimreise offenbar noch eine Verspätung gehört. Mein Zug hatte rund eine Stunde Verspätung. Also wieder warten. Nach den ständig wechselnden Abfahrtszeiten meines Frachtschiffs war ich allerdings bestens trainiert. Ob nun ein Schiff fünf Stunden später ablegt oder ein Zug eine Stunde später kommt – Geduld habe ich in den vergangenen Tagen ausreichend geübt.

Am Ende waren es etwa 75 Minuten Verspätung, mit denen ich schließlich in Solingen angekommen bin. Dort wartete Kerstin schon auf mich und hat mich abgeholt. Und damit war ich nach dieser wunderschönen Reise tatsächlich wieder fast zu Hause.

Dort gab es erst einmal ganz gemütlich Kaffee. Danach wurde der Koffer ausgepackt und langsam wieder vom Reise- in den Alltagsmodus umgeschaltet. Nach einer Woche aus der Kammer zu leben, fühlt sich selbst das Ausräumen eines Koffers plötzlich ein bisschen luxuriös an.

Nur unser Internet hat offenbar beschlossen, meine Rückkehr noch nicht zur Kenntnis zu nehmen. Es funktioniert immer noch nicht. Immerhin kann ich meine Bilder synchronisieren, und davon sind auf dieser Reise natürlich reichlich zusammengekommen. In den nächsten Tagen werde ich wahrscheinlich erst richtig merken, wie viele Fotos und Videos ich unterwegs gemacht habe.

Damit ist meine Frachtschiffreise nun wirklich vorbei. Hamburg, Kristiansand, Kopenhagen, Danzig, der Nord-Ostsee-Kanal und Bremerhaven liegen hinter mir. Dazu kamen Seegang, Containerterminals, Landgänge, gutes Essen, viele ruhige Stunden, jede Menge Podcasts und ganz neue Eindrücke vom Leben auf einem Frachtschiff.

Jetzt sitze ich wieder zu Hause, trinke meinen Kaffee und packe die letzten Sachen aus. Schön, wieder da zu sein.

Aber eines weiß ich jetzt schon: Diese Reise wird mir noch ziemlich lange im Kopf bleiben.

Sonntag, 16. August 2026

16.8.2026: Der letzte volle Tag an Bord – einmal quer durch den Nord-Ostsee-Kanal

So langsam geht meine Frachtschiffreise tatsächlich zu Ende. Ein bisschen schade ist das schon, denn inzwischen habe ich mich an das Leben an Bord, die Kammer, die Mahlzeiten und sogar die ständig wechselnden Fahrpläne gewöhnt. Heute stand aber noch einmal ein echtes Highlight auf dem Programm: die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal.

Gestern Abend bin ich extra etwas früher schlafen gegangen, weil ich eigentlich die Schleusung in Kiel-Holtenau beobachten wollte. Als ich in der Nacht das erste Mal auf meine Uhr beziehungsweise die Informationen zur Fahrt geschaut habe, hieß es weiterhin, dass wir gegen 4:30 Uhr schleusen würden. Also habe ich mich beruhigt noch einmal umgedreht und weitergeschlafen.

Als ich dann gegen drei Uhr wieder wach wurde, stellte ich allerdings fest: Wir waren längst durch die Schleuse und bereits ungefähr sechs Kilometer im Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. So viel also zum Thema 4:30 Uhr. Eigentlich hätte ich es nach dieser Reise besser wissen müssen. Fahrpläne und Frachtschiffe führen eben eine eher lockere Beziehung miteinander.

Wenn ich die Schleusung schon verpasst hatte, wollte ich wenigstens die ungewöhnliche Uhrzeit nutzen. Also bin ich runter beziehungsweise nach draußen gegangen und habe die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal in der frühen Morgenstimmung genossen. Dabei entstanden natürlich jede Menge Videos. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, mitten in der Nacht beziehungsweise am frühen Morgen von einem Containerschiff aus durch den Kanal zu fahren?

Besonders schön wurde es gegen sechs Uhr in Rendsburg. Erst vor rund vier Wochen waren wir dort noch im Hotel, als wir auf dem Weg zu unserer Reise nach Hallig Hooge waren. Damals habe ich vom Ufer beziehungsweise vom Hotel aus die Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal beobachtet. Heute war es genau umgekehrt: Diesmal stand ich selbst auf einem Frachtschiff und fuhr an Rendsburg vorbei. Das war schon ein ziemlich besonderer Moment.

Danach gab es wieder das ausgiebige Frühstück an Bord. Und anschließend musste ich dem frühen Aufstehen Tribut zollen. Ich habe mich noch einmal hingelegt – aus dem geplanten kurzen Ausruhen wurden dann ungefähr zwei Stunden Schlaf. Das durfte heute aber auch sein.

Den restlichen Vormittag bis zum Mittagessen habe ich weitgehend draußen verbracht und die Fahrt durch den Kanal genossen. Es gibt dort ständig etwas zu sehen: entgegenkommende Schiffe, kleine Fähren, Häuser direkt am Wasser und immer wieder Menschen, die stehen bleiben und den großen Schiffen hinterherschauen.

Gegen halb eins gab es wie gewohnt Mittagessen. Zunächst Graupensuppe und anschließend Nackensteak mit Kroketten und russischem Salat. Der Nachtisch wäre zwar ebenfalls noch möglich gewesen, aber irgendwann muss selbst ich kapitulieren. Das Essen an Bord ist einfach reichlich, und diesmal habe ich vernünftigerweise auf den Nachtisch verzichtet.

Fast direkt nach dem Mittagessen begann dann die Schleusung in Brunsbüttel. Nachdem ich Kiel-Holtenau verschlafen hatte, wollte ich mir diese Schleuse natürlich auf keinen Fall entgehen lassen. Also stand ich draußen und konnte das gesamte Manöver beobachten.

Inzwischen sind wir durch die Schleuse durch und wieder auf der Elbe beziehungsweise auf dem Weg Richtung Bremerhaven. Dort sollen wir heute Abend eintreffen.

Und damit wird es jetzt tatsächlich Zeit, langsam den Koffer zu packen.

Morgen früh wechseln wir in Bremerhaven noch einmal das Terminal, und anschließend werde ich von Bord gehen. Dann endet eine Reise, auf die ich mich lange gefreut hatte und die am Ende sogar noch eine Woche später begann als ursprünglich geplant.

Hamburg, Kristiansand, Kopenhagen, Danzig, Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal, Brunsbüttel und schließlich Bremerhaven – dazu Nächte mit und ohne Seegang, Landgänge, Containerlärm, gutes Essen, viele Gespräche und unglaublich viele Eindrücke.

Noch ist die Reise nicht ganz vorbei. Eine letzte Nacht an Bord liegt noch vor mir.

Aber morgen heißt es tatsächlich: Koffer nehmen, Gangway runter und wieder zurück in den normalen Alltag. Und ich glaube schon jetzt, dass mir das leichte Brummen des Schiffes ein bisschen fehlen wird.

Samstag, 15. August 2026

15.8.2026: Ein Seetag zum Genießen – und plötzlich heißt das Ziel Bremerhaven

Heute Morgen um zwei Uhr war es dann tatsächlich so weit: Wir haben Danzig verlassen. Aus den ursprünglich einmal genannten Abfahrtszeiten war am Ende also zwei Uhr nachts geworden. Nach einer Woche auf dem Frachtschiff überrascht mich das inzwischen allerdings kaum noch. Ich habe gelernt: Ein Fahrplan ist hier eine durchaus interessante Information – die Wirklichkeit entscheidet aber der Hafen.

Damit lag heute ein kompletter Seetag vor uns. Unser nächstes Ziel ist Kiel-Holtenau, das wir voraussichtlich in der kommenden Nacht gegen zwei Uhr erreichen werden. Dort wartet dann eines der Highlights dieser Reise auf mich: die Schleusung in den Nord-Ostsee-Kanal. Laut Fahrplan ist unsere Schleusenzeit allerdings erst für 4:30 Uhr vorgesehen. Es könnte also sein, dass wir vor Kiel noch ein wenig warten müssen. Aber auch darin habe ich inzwischen ausreichend Übung.

Auf die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal freue ich mich ganz besonders. Bislang waren es vor allem die Häfen und die Fahrten über Nord- und Ostsee, die diese Reise geprägt haben. Jetzt mit einem großen Containerschiff durch den Kanal zu fahren, die Schleusen zu erleben und die Landschaft direkt vom Schiff aus vorbeiziehen zu sehen, wird sicherlich noch einmal etwas völlig anderes. Dafür werde ich wahrscheinlich auch zu einer Uhrzeit aufstehen, zu der normale Menschen noch nicht einmal darüber nachdenken, wo die Kaffeemaschine steht.

Den heutigen Seetag habe ich jedenfalls richtig genossen. Kein Landgang, keine großen Pläne und kein Gedanke daran, irgendwo zu einer bestimmten Uhrzeit sein zu müssen. Ich habe viel gelesen, Podcasts gehört, ein paar Dinge erledigt und ansonsten einfach das Leben an Bord genossen. Nach den vergangenen Tagen fühlt sich das inzwischen erstaunlich vertraut an. Man kennt die Abläufe, weiß, wann es Essen gibt, wo man seine Ruhe hat und an welchen Stellen man einfach nur stehen und aufs Meer schauen kann.

Natürlich wurde auch heute wieder hervorragend für uns gekocht. Mittags gab es einen leckeren Eintopf, genau das Richtige für einen Tag auf See. Abends wartete dann Schweinefilet auf uns. Über das Essen kann ich mich auf dieser Reise wirklich nicht beschweren. Eher muss ich aufpassen, dass ich nach der Reise nicht ein zusätzliches Gepäckstück für mich selbst buchen muss.

Eine wichtige Entscheidung haben Knut und ich heute ebenfalls getroffen. Wir werden die Reise bereits am Montagmorgen in Bremerhaven beenden. Ursprünglich wäre das Schiff dort noch ungefähr einen Tag liegen geblieben, bevor es anschließend weiter nach Hamburg gegangen wäre. Für uns hätte das bedeutet: einen zusätzlichen Hafentag abwarten, noch einmal nach Hamburg fahren und von dort wieder die Heimreise antreten.

Das ergibt für meine Terminplanung wenig Sinn. Also steigen wir in Bremerhaven aus. Damit endet meine Frachtschiffreise zwar etwas früher als ursprünglich gedacht, aber ich habe trotzdem die komplette große Runde erlebt: Hamburg, Kristiansand, Kopenhagen, Danzig, Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal und schließlich Bremerhaven. Das kann sich wirklich sehen lassen.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die kommende Nacht. Irgendwann gegen zwei Uhr sollten wir Kiel-Holtenau erreichen, irgendwann danach hoffentlich in die Schleuse fahren und anschließend beginnt die Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal.

Schlafen kann ich zu Hause schließlich wieder. So eine Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal erlebt man auf einem Containerschiff schließlich nicht jeden Sonntagmorgen.

Freitag, 14. August 2026

14.8.2026: Danzig, die große Kunst des Wartens – und ein neuer Podcast entsteht

Heute haben wir tatsächlich den kompletten Tag in Danzig verbracht. Eigentlich war vorgesehen, dass wir bereits gegen 16 Uhr wieder ablegen. Aber wenn ich auf dieser Frachtschiffreise eines gelernt habe, dann dies: Abfahrtszeiten haben manchmal eher den Charakter einer unverbindlichen Absichtserklärung. Inzwischen steht die nächste Variante fest: Morgen früh um fünf Uhr soll es weitergehen. Mal schauen, ob Schiff, Hafen und Container das genauso sehen.

Aber der Reihe nach. Nach dem Frühstück wollte ich eigentlich noch einmal von Bord und zumindest für kurze Zeit raus. Große touristische Ambitionen hatte ich gar nicht. Mir hätten ungefähr 20 Minuten gereicht, um ein paar Zigaretten und etwas zu trinken zu kaufen. Allerdings stellte sich heraus, dass ein Taxi ewig gebraucht hätte, um überhaupt bis zum Terminal zu kommen. Für einen 20-minütigen Einkauf eine halbe Weltreise zu organisieren, erschien mir dann doch etwas übertrieben. Also habe ich beschlossen, einfach an Bord zu bleiben.

Den Vormittag konnte ich trotzdem hervorragend nutzen. Ich habe Podcasts gehört, Zeitungen gelesen und mich meinen Büchern gewidmet. Langweilig wird mir an Bord erstaunlicherweise überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich genieße diese Phasen, in denen einfach einmal niemand etwas von mir möchte und ich selbst entscheiden kann, ob ich lese, höre, nach draußen schaue oder an irgendeiner neuen Idee bastle.

Mittags wartete dann wieder unser Koch mit der nächsten Mahlzeit. Als Vorspeise gab es eine Rote-Bete-Suppe oder zumindest etwas, das ziemlich stark in diese Richtung ging. Wie auch immer der korrekte Name lautete: Sie war richtig lecker. Anschließend gab es – schließlich ist Freitag – Lachs mit Kartoffeln. Auch das hat wieder hervorragend geschmeckt.

Eigentlich sollte unser Schiff gegen 18:30 Uhr noch einmal das Terminal wechseln. Danach war vorgesehen, auf Reede zu gehen. Aber auch dieser Plan entwickelte während des Tages ein gewisses Eigenleben. Aus 18:30 Uhr wurde irgendwann ungefähr 20 Uhr. Mittlerweile nehme ich solche Änderungen ziemlich gelassen. Ich muss schließlich nicht navigieren. Ich muss nur dort sein, wo das Schiff gerade ist – und das gelingt mir bislang ausgesprochen zuverlässig.

Das Abendessen habe ich heute ganz bewusst ausfallen lassen. Dreimal täglich warm und reichlich zu essen ist mir auf Dauer einfach zu viel. Also habe ich mir unten eine Scheibe Brot mit Käse gemacht. Das hat völlig gereicht und war nach dem üppigen Mittagessen genau das Richtige.

Und natürlich wäre ich nicht ich, wenn aus einem ruhigen Tag nicht schon wieder ein neues Projekt entstehen würde. Gerade sitze ich an der Vorbereitung eines neuen Podcasts rund um deutsche Kfz-Kennzeichen. „Kennzeichen Klugscheißer“ oder „Klugscheißer-Kennzeichen“ – über die endgültige Reihenfolge lässt sich vielleicht noch diskutieren. Die ersten Kapitel beziehungsweise Folgenideen sind jedenfalls bereits geschrieben. Ausgerechnet auf einem Containerschiff in Danzig entsteht also gerade ein neuer Podcast. Warum auch nicht?

Parallel dazu werden die Aufnahmen meiner Dashcam auf das Notebook kopiert. Inzwischen ist einiges an Bild- und Videomaterial von der Reise zusammengekommen. Ich möchte mir anschauen, was davon brauchbar ist und ob ich daraus bereits etwas zusammenstellen kann. Vielleicht entsteht aus dieser Reise am Ende deutlich mehr als nur ein Tagebuch.

Jetzt wird der Abend langsam ruhig. Wenn der aktuelle Plan tatsächlich Bestand hat, heißt es morgen früh um fünf Uhr: Leinen los in Danzig. Danach liegen ungefähr 24 Stunden Fahrt vor uns, bis wir Kiel-Holtenau und damit die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal erreichen.

Und irgendwie freue ich mich darauf. Nach Kristiansand, Kopenhagen und Danzig beginnt damit langsam die letzte große Etappe dieser Frachtschiffreise. Aber bevor ich sentimental werde, warten erst einmal Ostsee, Kiel und der Nord-Ostsee-Kanal.

Vorausgesetzt natürlich, fünf Uhr bedeutet diesmal tatsächlich fünf Uhr.

Donnerstag, 13. August 2026

13.8.2026: Danzig erreicht – und selbst der Kapitän ist zum ersten Mal hier

Nach einer angenehm ruhigen Überfahrt sind wir heute nach ziemlich genau 24 Stunden Fahrzeit in Danzig angekommen. Gegen halb zwei war es so weit und wir haben festgemacht. Die Fahrt von Kopenhagen hierher verlief wirklich entspannt. Kein größerer Seegang, kein nächtliches Herumrollen in der Kammer und damit eigentlich genau die Art von Überfahrt, die man sich wünschen kann.

Besonders interessant fand ich heute ein Gespräch mit dem Kapitän. Er erzählte mir nämlich, dass selbst er noch nie mit diesem Schiff in Danzig gewesen ist. Der Grund ist ganz einfach: Danzig lag offenbar schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf der Route. Damit bin also nicht nur ich hier auf Entdeckungstour, sondern zumindest ein bisschen auch der Kapitän. Das hätte ich bei Beginn meiner Reise nicht unbedingt erwartet.

Nach dem Anlegen wollte ich eigentlich direkt von Bord gehen und meinen Landgang starten. Aber so einfach funktioniert das auf einer Frachtschiffreise eben nicht. Irgendwie klappte es zunächst nicht mit der Freigabe, sodass ich mich schon damit abgefunden hatte, Danzig möglicherweise wieder nur vom Schiff aus zu sehen.

Kurz vor dem Abendessen tauchte dann allerdings der Agent auf und brachte die gute Nachricht: Um 18 Uhr könnte ich gemeinsam mit der Mannschaft das Terminal verlassen. Da wir aber ohnehin bis morgen gegen 17 Uhr in Danzig liegen sollen, habe ich direkt nachgefragt, ob ich nicht auch morgen früh von Bord gehen könne. Das wäre schließlich deutlich entspannter, als heute Abend noch für ein paar Stunden loszuziehen.

Und tatsächlich: Der Agent bestätigte mir, dass das möglich ist.

Damit steht der Plan für morgen. Nach dem Frühstück soll es gegen acht Uhr von Bord gehen. Dann habe ich genügend Zeit, mir Danzig in Ruhe anzusehen. Nach Kristiansand, wo gar kein Landgang möglich war, und Kopenhagen mit meinem schönen Stadtspaziergang freue ich mich jetzt besonders darauf, auch Danzig zu Fuß zu erkunden.

Den heutigen Tag habe ich deshalb ganz bewusst ruhig verbracht. Ich habe viel gelesen, einige Podcasts gehört und mich bei YouTube umgesehen. Natürlich bleibt es bei mir selten beim einfachen Anschauen. Schnell entstehen wieder neue Ideen, und ehe ich mich versehe, überlege ich schon, was man daraus für eigene Projekte machen könnte. Selbst auf einem Frachtschiff gelingt es mir offenbar nicht vollständig, den Ideenmodus auszuschalten.

Währenddessen läuft draußen der eigentliche Zweck unseres Aufenthalts auf Hochtouren. Container werden gelöscht und neue geladen. Erstaunlicherweise bekomme ich davon im Moment gar nicht besonders viel mit. Nach der ziemlich geräuschvollen Nacht in Kopenhagen hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass es hier ähnlich wird.

Allerdings ist der heutige Hafenaufenthalt noch nicht ganz so ruhig, wie er im Moment wirkt. Gegen 23 Uhr steht nämlich noch ein kleiner Umzug an. Wir wechseln innerhalb des Hafens das Terminal. Das bedeutet: Leinen los, einmal auf die gegenüberliegende Seite fahren, dort wieder anlegen und anschließend geht das Löschen und Laden der Container weiter.

Auch das ist wieder so ein Erlebnis, das diese Reise für mich besonders macht. Auf einem Kreuzfahrtschiff würde vermutlich niemand nachts um elf sagen: Wir fahren jetzt einmal kurz auf die andere Seite des Hafens, weil dort noch ein paar Container warten. Hier gehört genau das zum normalen Arbeitsalltag.

Ich werde mir das Manöver nach Möglichkeit natürlich anschauen. Und danach hoffe ich auf eine einigermaßen ruhige Nacht, denn morgen möchte ich früh raus. Nach dem Frühstück wartet endlich Danzig auf mich.

Heute war damit vielleicht kein spektakulärer Tag, aber genau diese ruhigen Stunden gehören für mich inzwischen genauso zu dieser Reise. Lesen, Podcasts hören, neue Ideen entwickeln, zwischendurch auf den Hafen schauen und beobachten, wie ein Containerschiff seinen ganz normalen Arbeitsalltag absolviert.

Und morgen tausche ich dann für ein paar Stunden Stahl, Container und Terminal gegen Danzig ein.

Mittwoch, 12. August 2026

12.8.2026: Der Tag, an dem die Abfahrtszeit in Kopenhagen zum beweglichen Ziel wurde

Wir liegen immer noch in Kopenhagen. Eigentlich sollten wir heute um 13 Uhr ablegen. Dann hieß es zwischenzeitlich 16 Uhr, später wurde daraus wieder 13:30 Uhr. Ich lerne auf dieser Frachtschiffreise immer mehr, dass Abfahrtszeiten offenbar eher als freundliche Orientierungshilfe zu verstehen sind. Los geht es eben dann, wenn die Container geladen sind, der Hafen fertig ist und alle anderen Voraussetzungen stimmen. Der Fahrgast – also ich – spielt bei dieser Entscheidung vermutlich eine eher überschaubare Rolle.

Aber genau das gehört zu dieser Reise dazu. Auf einem Frachtschiff richtet sich schließlich nichts nach einem touristischen Fahrplan. Hier werden Container transportiert, und ich darf dabei sein. Also warte ich einfach ab, wann sich unter uns wieder etwas bewegt und wir Kopenhagen tatsächlich verlassen.

Die nächste Etappe führt uns nach Danzig, wo wir morgen Nachmittag ankommen sollen. Für die Überfahrt sieht es ausgesprochen gut aus. Es soll insgesamt ziemlich ruhig bleiben. Lediglich auf Höhe von Bornholm könnte es mit Windstärke drei bis vier etwas windiger werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen dürfte mich das allerdings kaum beeindrucken. Die Überfahrt von Kristiansand nach Kopenhagen hat schließlich deutlich mehr geruckelt, und selbst damit bin ich erstaunlich gut zurechtgekommen.

Inzwischen habe ich ohnehin festgestellt, dass ich nachts auf See fast lieber schlafe als im Hafen. Eigentlich würde man zunächst das Gegenteil vermuten. Wenn das Schiff auf See ein wenig rollt, bewegt sich schließlich ständig die ganze Kammer mit. Aber dieses gleichmäßige Rollen empfinde ich inzwischen eher als angenehm.

Im Hafen sieht das ganz anders aus. Dort liegt das Schiff zwar still, dafür beginnt draußen das große Konzert der Containerlogistik. Container werden angehoben, abgesetzt und verschoben, irgendwo piept immer etwas und zwischendurch gibt es einen ordentlichen Schlag, bei dem man kurz überlegen kann, ob gerade ein Container verladen wurde oder das halbe Schiff auseinandergefallen ist. Besonders nachts bekommt man dabei einen ziemlich guten Eindruck davon, dass man eben nicht in einem schwimmenden Hotel, sondern auf einem arbeitenden Containerschiff unterwegs ist.

Aber genau deshalb bin ich hier. Die Geräusche, die wechselnden Abfahrtszeiten, die Hafenarbeit und das Leben an Bord gehören genauso zu dieser Reise wie die Landgänge und die Stunden draußen auf See. Ich bekomme jeden Tag mehr davon mit, wie dieser Transportbetrieb tatsächlich funktioniert – und dass dabei manches eben nicht minutengenau planbar ist.

Jetzt warte ich also darauf, dass Kopenhagen langsam hinter uns verschwindet. Irgendwann heute Nachmittag wird es hoffentlich heißen: Leinen los und Kurs auf Danzig. Dann freue ich mich wieder auf eine Nacht auf See, diesmal vermutlich mit wenig Wind und ruhigem Wasser.

Und vielleicht ist es tatsächlich so: Während andere Menschen für eine ruhige Nacht möglichst absolute Stille brauchen, freue ich mich inzwischen darauf, wenn endlich die Containerkräne aufhören und stattdessen nur noch das Schiff ein bisschen rollt.

18.8.2026: Vom Frachtschiff direkt zurück zum Koffer – der Alltag hat mich wieder

Heute Morgen habe ich erst einmal etwas länger geschlafen. Das war allerdings nicht ausschließlich der Erholung nach meiner Frachtschiffreis...