Heute Morgen sind wir tatsächlich pünktlich um sieben Uhr in Kristiansand angekommen. Meine erste richtige Nacht auf See liegt damit hinter mir – und die verlief erstaunlich ruhig. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Nordsee mir zumindest einmal zeigen würde, wer hier das Sagen hat. Aber nichts dergleichen. Vielleicht hat es in der Nacht einmal für fünf Minuten ein bisschen gewackelt, mehr war da nicht. Wenn das Seegang sein soll, darf es von mir aus gerne so weitergehen.
Kurz vor sieben bin ich aufgestanden und erst einmal unter die Dusche gegangen. Als ich anschließend nach unten kam, hatten wir bereits festgemacht. Das ging alles erstaunlich schnell und unspektakulär. Plötzlich lag Kristiansand direkt vor uns und der erste norwegische Hafen dieser Reise war erreicht.
Leider gab es dann eine kleine Enttäuschung: Landgang ist hier nicht möglich. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, ein wenig durch Kristiansand zu laufen und mir die Stadt anzusehen. Aber bei einer Frachtschiffreise läuft eben nicht alles so wie bei einer Kreuzfahrt. Der Fahrplan des Schiffes und die Regeln im jeweiligen Hafen bestimmen das Programm – und wenn kein Landgang möglich ist, bleibt man eben an Bord.
Langweilig wurde es trotzdem nicht. Wir hatten wieder Internet, sodass ich ein paar Dinge erledigen und mich beschäftigen konnte. Außerdem gibt es an Bord inzwischen immer mehr zu entdecken. Ich merke, dass ich langsam ein Gefühl für die Abläufe bekomme und nicht mehr bei jeder Tür überlegen muss, ob ich dahinter überhaupt etwas zu suchen habe.
Mittags wartete wieder das Essen auf uns. Zunächst gab es eine Suppe und anschließend Hähnchen mit Curry. Das hat unser Koch richtig gut gemacht. Überhaupt gefällt mir das Essen an Bord bisher sehr gut. Es ist bodenständig, ordentlich und genau das Richtige nach ein paar Stunden frischer Seeluft.
Jetzt liegen wir noch einige Stunden in Kristiansand. Geplant ist, dass wir gegen 19 Uhr wieder ablegen und anschließend Kurs auf Kopenhagen nehmen. Bis dahin werde ich noch ein wenig nach draußen gehen, mir einen schönen Platz suchen und lesen. Genau das gehört für mich inzwischen zu den angenehmsten Momenten dieser Reise: draußen sitzen, aufs Wasser beziehungsweise auf den Hafen schauen, etwas lesen und einfach einmal nichts tun müssen.
Um halb sechs gibt es bereits Abendessen. Danach möchte ich schauen, ob ich das Ablegen von der Brücke aus verfolgen kann. Das wäre natürlich noch einmal etwas ganz anderes, als einfach nur irgendwo an Deck zu stehen. Zu beobachten, wie so ein großes Containerschiff den Hafen verlässt und von der Brücke aus Kurs auf das nächste Ziel nimmt, gehört schließlich genau zu den Erlebnissen, wegen denen ich diese Reise machen wollte.
Der erste komplette Tag an Bord gefällt mir jedenfalls richtig gut. Die Überfahrt war ruhig, das Essen schmeckt, ich kann entspannen und bekomme gleichzeitig einen Einblick in eine Welt, die man als normaler Reisender kaum zu sehen bekommt. Schade nur, dass Kristiansand heute lediglich Kulisse geblieben ist.
Aber das Schiff wartet schließlich nicht auf meinen Stadtbummel. Heute Abend heißt es wieder: Leinen los – nächster Halt Kopenhagen.