Freitag, 14. August 2026

14.8.2026: Danzig, die große Kunst des Wartens – und ein neuer Podcast entsteht

Heute haben wir tatsächlich den kompletten Tag in Danzig verbracht. Eigentlich war vorgesehen, dass wir bereits gegen 16 Uhr wieder ablegen. Aber wenn ich auf dieser Frachtschiffreise eines gelernt habe, dann dies: Abfahrtszeiten haben manchmal eher den Charakter einer unverbindlichen Absichtserklärung. Inzwischen steht die nächste Variante fest: Morgen früh um fünf Uhr soll es weitergehen. Mal schauen, ob Schiff, Hafen und Container das genauso sehen.

Aber der Reihe nach. Nach dem Frühstück wollte ich eigentlich noch einmal von Bord und zumindest für kurze Zeit raus. Große touristische Ambitionen hatte ich gar nicht. Mir hätten ungefähr 20 Minuten gereicht, um ein paar Zigaretten und etwas zu trinken zu kaufen. Allerdings stellte sich heraus, dass ein Taxi ewig gebraucht hätte, um überhaupt bis zum Terminal zu kommen. Für einen 20-minütigen Einkauf eine halbe Weltreise zu organisieren, erschien mir dann doch etwas übertrieben. Also habe ich beschlossen, einfach an Bord zu bleiben.

Den Vormittag konnte ich trotzdem hervorragend nutzen. Ich habe Podcasts gehört, Zeitungen gelesen und mich meinen Büchern gewidmet. Langweilig wird mir an Bord erstaunlicherweise überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich genieße diese Phasen, in denen einfach einmal niemand etwas von mir möchte und ich selbst entscheiden kann, ob ich lese, höre, nach draußen schaue oder an irgendeiner neuen Idee bastle.

Mittags wartete dann wieder unser Koch mit der nächsten Mahlzeit. Als Vorspeise gab es eine Rote-Bete-Suppe oder zumindest etwas, das ziemlich stark in diese Richtung ging. Wie auch immer der korrekte Name lautete: Sie war richtig lecker. Anschließend gab es – schließlich ist Freitag – Lachs mit Kartoffeln. Auch das hat wieder hervorragend geschmeckt.

Eigentlich sollte unser Schiff gegen 18:30 Uhr noch einmal das Terminal wechseln. Danach war vorgesehen, auf Reede zu gehen. Aber auch dieser Plan entwickelte während des Tages ein gewisses Eigenleben. Aus 18:30 Uhr wurde irgendwann ungefähr 20 Uhr. Mittlerweile nehme ich solche Änderungen ziemlich gelassen. Ich muss schließlich nicht navigieren. Ich muss nur dort sein, wo das Schiff gerade ist – und das gelingt mir bislang ausgesprochen zuverlässig.

Das Abendessen habe ich heute ganz bewusst ausfallen lassen. Dreimal täglich warm und reichlich zu essen ist mir auf Dauer einfach zu viel. Also habe ich mir unten eine Scheibe Brot mit Käse gemacht. Das hat völlig gereicht und war nach dem üppigen Mittagessen genau das Richtige.

Und natürlich wäre ich nicht ich, wenn aus einem ruhigen Tag nicht schon wieder ein neues Projekt entstehen würde. Gerade sitze ich an der Vorbereitung eines neuen Podcasts rund um deutsche Kfz-Kennzeichen. „Kennzeichen Klugscheißer“ oder „Klugscheißer-Kennzeichen“ – über die endgültige Reihenfolge lässt sich vielleicht noch diskutieren. Die ersten Kapitel beziehungsweise Folgenideen sind jedenfalls bereits geschrieben. Ausgerechnet auf einem Containerschiff in Danzig entsteht also gerade ein neuer Podcast. Warum auch nicht?

Parallel dazu werden die Aufnahmen meiner Dashcam auf das Notebook kopiert. Inzwischen ist einiges an Bild- und Videomaterial von der Reise zusammengekommen. Ich möchte mir anschauen, was davon brauchbar ist und ob ich daraus bereits etwas zusammenstellen kann. Vielleicht entsteht aus dieser Reise am Ende deutlich mehr als nur ein Tagebuch.

Jetzt wird der Abend langsam ruhig. Wenn der aktuelle Plan tatsächlich Bestand hat, heißt es morgen früh um fünf Uhr: Leinen los in Danzig. Danach liegen ungefähr 24 Stunden Fahrt vor uns, bis wir Kiel-Holtenau und damit die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal erreichen.

Und irgendwie freue ich mich darauf. Nach Kristiansand, Kopenhagen und Danzig beginnt damit langsam die letzte große Etappe dieser Frachtschiffreise. Aber bevor ich sentimental werde, warten erst einmal Ostsee, Kiel und der Nord-Ostsee-Kanal.

Vorausgesetzt natürlich, fünf Uhr bedeutet diesmal tatsächlich fünf Uhr.

Donnerstag, 13. August 2026

13.8.2026: Danzig erreicht – und selbst der Kapitän ist zum ersten Mal hier

Nach einer angenehm ruhigen Überfahrt sind wir heute nach ziemlich genau 24 Stunden Fahrzeit in Danzig angekommen. Gegen halb zwei war es so weit und wir haben festgemacht. Die Fahrt von Kopenhagen hierher verlief wirklich entspannt. Kein größerer Seegang, kein nächtliches Herumrollen in der Kammer und damit eigentlich genau die Art von Überfahrt, die man sich wünschen kann.

Besonders interessant fand ich heute ein Gespräch mit dem Kapitän. Er erzählte mir nämlich, dass selbst er noch nie mit diesem Schiff in Danzig gewesen ist. Der Grund ist ganz einfach: Danzig lag offenbar schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf der Route. Damit bin also nicht nur ich hier auf Entdeckungstour, sondern zumindest ein bisschen auch der Kapitän. Das hätte ich bei Beginn meiner Reise nicht unbedingt erwartet.

Nach dem Anlegen wollte ich eigentlich direkt von Bord gehen und meinen Landgang starten. Aber so einfach funktioniert das auf einer Frachtschiffreise eben nicht. Irgendwie klappte es zunächst nicht mit der Freigabe, sodass ich mich schon damit abgefunden hatte, Danzig möglicherweise wieder nur vom Schiff aus zu sehen.

Kurz vor dem Abendessen tauchte dann allerdings der Agent auf und brachte die gute Nachricht: Um 18 Uhr könnte ich gemeinsam mit der Mannschaft das Terminal verlassen. Da wir aber ohnehin bis morgen gegen 17 Uhr in Danzig liegen sollen, habe ich direkt nachgefragt, ob ich nicht auch morgen früh von Bord gehen könne. Das wäre schließlich deutlich entspannter, als heute Abend noch für ein paar Stunden loszuziehen.

Und tatsächlich: Der Agent bestätigte mir, dass das möglich ist.

Damit steht der Plan für morgen. Nach dem Frühstück soll es gegen acht Uhr von Bord gehen. Dann habe ich genügend Zeit, mir Danzig in Ruhe anzusehen. Nach Kristiansand, wo gar kein Landgang möglich war, und Kopenhagen mit meinem schönen Stadtspaziergang freue ich mich jetzt besonders darauf, auch Danzig zu Fuß zu erkunden.

Den heutigen Tag habe ich deshalb ganz bewusst ruhig verbracht. Ich habe viel gelesen, einige Podcasts gehört und mich bei YouTube umgesehen. Natürlich bleibt es bei mir selten beim einfachen Anschauen. Schnell entstehen wieder neue Ideen, und ehe ich mich versehe, überlege ich schon, was man daraus für eigene Projekte machen könnte. Selbst auf einem Frachtschiff gelingt es mir offenbar nicht vollständig, den Ideenmodus auszuschalten.

Währenddessen läuft draußen der eigentliche Zweck unseres Aufenthalts auf Hochtouren. Container werden gelöscht und neue geladen. Erstaunlicherweise bekomme ich davon im Moment gar nicht besonders viel mit. Nach der ziemlich geräuschvollen Nacht in Kopenhagen hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass es hier ähnlich wird.

Allerdings ist der heutige Hafenaufenthalt noch nicht ganz so ruhig, wie er im Moment wirkt. Gegen 23 Uhr steht nämlich noch ein kleiner Umzug an. Wir wechseln innerhalb des Hafens das Terminal. Das bedeutet: Leinen los, einmal auf die gegenüberliegende Seite fahren, dort wieder anlegen und anschließend geht das Löschen und Laden der Container weiter.

Auch das ist wieder so ein Erlebnis, das diese Reise für mich besonders macht. Auf einem Kreuzfahrtschiff würde vermutlich niemand nachts um elf sagen: Wir fahren jetzt einmal kurz auf die andere Seite des Hafens, weil dort noch ein paar Container warten. Hier gehört genau das zum normalen Arbeitsalltag.

Ich werde mir das Manöver nach Möglichkeit natürlich anschauen. Und danach hoffe ich auf eine einigermaßen ruhige Nacht, denn morgen möchte ich früh raus. Nach dem Frühstück wartet endlich Danzig auf mich.

Heute war damit vielleicht kein spektakulärer Tag, aber genau diese ruhigen Stunden gehören für mich inzwischen genauso zu dieser Reise. Lesen, Podcasts hören, neue Ideen entwickeln, zwischendurch auf den Hafen schauen und beobachten, wie ein Containerschiff seinen ganz normalen Arbeitsalltag absolviert.

Und morgen tausche ich dann für ein paar Stunden Stahl, Container und Terminal gegen Danzig ein.

Mittwoch, 12. August 2026

12.8.2026: Der Tag, an dem die Abfahrtszeit in Kopenhagen zum beweglichen Ziel wurde

Wir liegen immer noch in Kopenhagen. Eigentlich sollten wir heute um 13 Uhr ablegen. Dann hieß es zwischenzeitlich 16 Uhr, später wurde daraus wieder 13:30 Uhr. Ich lerne auf dieser Frachtschiffreise immer mehr, dass Abfahrtszeiten offenbar eher als freundliche Orientierungshilfe zu verstehen sind. Los geht es eben dann, wenn die Container geladen sind, der Hafen fertig ist und alle anderen Voraussetzungen stimmen. Der Fahrgast – also ich – spielt bei dieser Entscheidung vermutlich eine eher überschaubare Rolle.

Aber genau das gehört zu dieser Reise dazu. Auf einem Frachtschiff richtet sich schließlich nichts nach einem touristischen Fahrplan. Hier werden Container transportiert, und ich darf dabei sein. Also warte ich einfach ab, wann sich unter uns wieder etwas bewegt und wir Kopenhagen tatsächlich verlassen.

Die nächste Etappe führt uns nach Danzig, wo wir morgen Nachmittag ankommen sollen. Für die Überfahrt sieht es ausgesprochen gut aus. Es soll insgesamt ziemlich ruhig bleiben. Lediglich auf Höhe von Bornholm könnte es mit Windstärke drei bis vier etwas windiger werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen dürfte mich das allerdings kaum beeindrucken. Die Überfahrt von Kristiansand nach Kopenhagen hat schließlich deutlich mehr geruckelt, und selbst damit bin ich erstaunlich gut zurechtgekommen.

Inzwischen habe ich ohnehin festgestellt, dass ich nachts auf See fast lieber schlafe als im Hafen. Eigentlich würde man zunächst das Gegenteil vermuten. Wenn das Schiff auf See ein wenig rollt, bewegt sich schließlich ständig die ganze Kammer mit. Aber dieses gleichmäßige Rollen empfinde ich inzwischen eher als angenehm.

Im Hafen sieht das ganz anders aus. Dort liegt das Schiff zwar still, dafür beginnt draußen das große Konzert der Containerlogistik. Container werden angehoben, abgesetzt und verschoben, irgendwo piept immer etwas und zwischendurch gibt es einen ordentlichen Schlag, bei dem man kurz überlegen kann, ob gerade ein Container verladen wurde oder das halbe Schiff auseinandergefallen ist. Besonders nachts bekommt man dabei einen ziemlich guten Eindruck davon, dass man eben nicht in einem schwimmenden Hotel, sondern auf einem arbeitenden Containerschiff unterwegs ist.

Aber genau deshalb bin ich hier. Die Geräusche, die wechselnden Abfahrtszeiten, die Hafenarbeit und das Leben an Bord gehören genauso zu dieser Reise wie die Landgänge und die Stunden draußen auf See. Ich bekomme jeden Tag mehr davon mit, wie dieser Transportbetrieb tatsächlich funktioniert – und dass dabei manches eben nicht minutengenau planbar ist.

Jetzt warte ich also darauf, dass Kopenhagen langsam hinter uns verschwindet. Irgendwann heute Nachmittag wird es hoffentlich heißen: Leinen los und Kurs auf Danzig. Dann freue ich mich wieder auf eine Nacht auf See, diesmal vermutlich mit wenig Wind und ruhigem Wasser.

Und vielleicht ist es tatsächlich so: Während andere Menschen für eine ruhige Nacht möglichst absolute Stille brauchen, freue ich mich inzwischen darauf, wenn endlich die Containerkräne aufhören und stattdessen nur noch das Schiff ein bisschen rollt.

Dienstag, 11. August 2026

11.8.2026: Von ordentlich Geruckel bis Kopenhagen – genau dafür bin ich auf Frachtschiffreise

Das war heute wirklich ein richtig cooler Tag. Wobei der heutige Tag eigentlich schon gestern Abend in Kristiansand begonnen hat. Als wir dort abgelegt haben, hatte der Kapitän angekündigt, dass es am Anfang „ein bisschen ruckeln“ könnte. Nun ja, ich habe inzwischen gelernt, dass Kapitäne offenbar eine etwas andere Definition von „ein bisschen“ haben als ich. Denn fairerweise muss man sagen: Es hat nicht nur am Anfang geruckelt, sondern eigentlich bis heute Morgen. Das Schiff rollte ordentlich, und man merkte ziemlich deutlich, dass wir auf See waren. Aber erstaunlicherweise hat mir das überhaupt nichts ausgemacht. Im Gegenteil: Irgendwie gehört genau das zu einer Frachtschiffreise dazu. Wenn ich überhaupt nichts vom Meer merken wollte, hätte ich schließlich auch zu Hause auf meinem neuen Sofa sitzen bleiben können.

Gestern Abend habe ich es mir erst einmal in meiner Kammer gemütlich gemacht. Kabine sagt man auf einem Frachtschiff schließlich nicht – ich lerne ja dazu. Also lag ich in meiner Kammer, habe noch ein paar Sachen bei Netflix geschaut und mich irgendwann schlafen gelegt. Trotz des Rollens habe ich erstaunlich ruhig geschlafen. Natürlich bin ich zwischendurch das eine oder andere Mal wach geworden, wenn das Schiff wieder etwas stärker zur Seite rollte, aber insgesamt war das überhaupt kein Problem. Irgendwann gewöhnt man sich offenbar daran, dass das Bett nachts ein kleines Eigenleben entwickelt.

Heute Morgen ging es dann wieder zum Frühstück. Eier gehören hier inzwischen offensichtlich zur Grundversorgung, und heute gab es Spiegeleier mit Bacon. So kann ein Tag auf See durchaus beginnen. Nach dem Frühstück konnte ich dann wieder beobachten, wie wir uns langsam unserem nächsten Ziel näherten: Kopenhagen.

Gegen 13:30 Uhr waren wir schließlich da und machten im Hafen fest. Diesmal gab es im Gegensatz zu Kristiansand die Nachricht, auf die ich gehofft hatte: Landgang war möglich. Also hatte ich mich vorher schon beim Koch – oder beim „Cooky“, wie man hier offenbar sagt – vom Abendessen abgemeldet. Wenn ich schon in Kopenhagen von Bord darf, möchte ich schließlich nicht nach zwei Stunden zurückrennen müssen, nur weil unten das Abendessen auf dem Tisch steht.

Gemeinsam mit Knut ging es dann in die Stadt. Und das war genau das, was ich mir unter dieser Reise vorgestellt hatte: Mit dem Frachtschiff irgendwo ankommen, das Terminal verlassen und plötzlich mitten in einer europäischen Hauptstadt unterwegs sein. Wir sind eine schöne Runde durch Kopenhagen gelaufen, angefangen am Rathausplatz und von dort weiter Richtung Hafen. Natürlich durfte ein Spaziergang durch die bekannten Ecken der Stadt nicht fehlen. Gerade der Bereich am Wasser gehört für mich in Kopenhagen einfach dazu. Anschließend führte uns unsere Runde noch zur Marmorkirche, bevor es langsam wieder zurück Richtung Terminal und damit zurück zu unserem schwimmenden Zuhause ging.

Genau diese Mischung macht die Reise im Moment für mich so besonders. Gestern noch Kristiansand, allerdings ohne Landgang, anschließend eine Nacht mit ordentlich Bewegung auf dem Schiff und heute plötzlich zu Fuß durch Kopenhagen. Es gibt keinen klassischen Kreuzfahrtplan mit Unterhaltung, Buffet und organisierter Ausflugsgruppe. Stattdessen weiß ich morgens manchmal noch gar nicht genau, wie der Tag aussehen wird. Und genau das gefällt mir.

Jetzt bin ich wieder zurück an Bord. Wir bleiben noch bis morgen gegen 13 Uhr hier in Kopenhagen. Damit liegt eine weitere Nacht im Hafen vor uns, bevor es anschließend weitergeht. Ich bin gespannt, wie die nächste Etappe wird und was auf dem Weg zum nächsten Hafen passiert.

Für heute reicht es aber erst einmal. Ich gehe jetzt noch eine rauchen, schaue ein bisschen auf den Hafen und genieße einfach das Gefühl, auf einem Frachtschiff mitten in Kopenhagen zu sitzen.

Und wenn ich ehrlich bin: Genau für solche Tage habe ich diese Reise gebucht.

Montag, 10. August 2026

10.8.2026: Kristiansand – angekommen, aber leider nur vom Schiff aus

Heute Morgen sind wir tatsächlich pünktlich um sieben Uhr in Kristiansand angekommen. Meine erste richtige Nacht auf See liegt damit hinter mir – und die verlief erstaunlich ruhig. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass die Nordsee mir zumindest einmal zeigen würde, wer hier das Sagen hat. Aber nichts dergleichen. Vielleicht hat es in der Nacht einmal für fünf Minuten ein bisschen gewackelt, mehr war da nicht. Wenn das Seegang sein soll, darf es von mir aus gerne so weitergehen.

Kurz vor sieben bin ich aufgestanden und erst einmal unter die Dusche gegangen. Als ich anschließend nach unten kam, hatten wir bereits festgemacht. Das ging alles erstaunlich schnell und unspektakulär. Plötzlich lag Kristiansand direkt vor uns und der erste norwegische Hafen dieser Reise war erreicht.

Leider gab es dann eine kleine Enttäuschung: Landgang ist hier nicht möglich. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, ein wenig durch Kristiansand zu laufen und mir die Stadt anzusehen. Aber bei einer Frachtschiffreise läuft eben nicht alles so wie bei einer Kreuzfahrt. Der Fahrplan des Schiffes und die Regeln im jeweiligen Hafen bestimmen das Programm – und wenn kein Landgang möglich ist, bleibt man eben an Bord.

Langweilig wurde es trotzdem nicht. Wir hatten wieder Internet, sodass ich ein paar Dinge erledigen und mich beschäftigen konnte. Außerdem gibt es an Bord inzwischen immer mehr zu entdecken. Ich merke, dass ich langsam ein Gefühl für die Abläufe bekomme und nicht mehr bei jeder Tür überlegen muss, ob ich dahinter überhaupt etwas zu suchen habe.

Mittags wartete wieder das Essen auf uns. Zunächst gab es eine Suppe und anschließend Hähnchen mit Curry. Das hat unser Koch richtig gut gemacht. Überhaupt gefällt mir das Essen an Bord bisher sehr gut. Es ist bodenständig, ordentlich und genau das Richtige nach ein paar Stunden frischer Seeluft.

Jetzt liegen wir noch einige Stunden in Kristiansand. Geplant ist, dass wir gegen 19 Uhr wieder ablegen und anschließend Kurs auf Kopenhagen nehmen. Bis dahin werde ich noch ein wenig nach draußen gehen, mir einen schönen Platz suchen und lesen. Genau das gehört für mich inzwischen zu den angenehmsten Momenten dieser Reise: draußen sitzen, aufs Wasser beziehungsweise auf den Hafen schauen, etwas lesen und einfach einmal nichts tun müssen.

Um halb sechs gibt es bereits Abendessen. Danach möchte ich schauen, ob ich das Ablegen von der Brücke aus verfolgen kann. Das wäre natürlich noch einmal etwas ganz anderes, als einfach nur irgendwo an Deck zu stehen. Zu beobachten, wie so ein großes Containerschiff den Hafen verlässt und von der Brücke aus Kurs auf das nächste Ziel nimmt, gehört schließlich genau zu den Erlebnissen, wegen denen ich diese Reise machen wollte.

Der erste komplette Tag an Bord gefällt mir jedenfalls richtig gut. Die Überfahrt war ruhig, das Essen schmeckt, ich kann entspannen und bekomme gleichzeitig einen Einblick in eine Welt, die man als normaler Reisender kaum zu sehen bekommt. Schade nur, dass Kristiansand heute lediglich Kulisse geblieben ist.

Aber das Schiff wartet schließlich nicht auf meinen Stadtbummel. Heute Abend heißt es wieder: Leinen los – nächster Halt Kopenhagen.

Sonntag, 9. August 2026

9.8.2026: Erster Seetag – Ein perfekter Start an Bord der MS Beate

Der Sonntag hätte als erster Tag an Bord der MS Beate kaum schöner sein können. Heute Morgen haben wir Hamburg kurz nach sechs Uhr verlassen. Natürlich wollte ich mir die Ausfahrt auf der Elbe nicht entgehen lassen. Es war ein besonderer Moment, langsam den Hamburger Hafen hinter sich zu lassen und zu wissen, dass die eigentliche Reise nun beginnt. Zuvor durfte ich noch einen Blick auf die Brücke werfen – immer wieder faszinierend zu sehen, von wo aus ein solches Schiff gesteuert wird.

Den Vormittag habe ich fast ausschließlich draußen verbracht. Besonders auf dem A-Deck am Heck lässt sich die Fahrt wunderbar genießen. Einfach dort sitzen, den Blick über die Elbe schweifen lassen, die frische Seeluft einatmen und die vorbeiziehende Landschaft auf sich wirken lassen – genau dafür macht man schließlich eine Frachtschiffreise.

Mittags wartete dann ein leckeres Drei-Gänge-Menü auf uns. Los ging es mit einer Gemüsesuppe, danach gab es ein saftiges Steak mit Kroketten und Brokkoli. Auf den Nachtisch habe ich diesmal verzichtet. Stattdessen war erst einmal ein kleiner Mittagsschlaf angesagt. Die viele frische Seeluft macht erstaunlich müde – allerdings auf eine sehr angenehme Art.

Nach dem Aufwachen gönnte ich mir einen Kaffee und drehte anschließend noch eine gemütliche Runde über das Schiff. Bis zum Abendessen verbrachte ich wieder einige Zeit auf dem A-Deck und genoss die Sonne, die Ruhe und das Gefühl, einfach unterwegs zu sein.

Zum Abendessen standen Spaghetti Bolognese auf dem Speiseplan – ein schöner Abschluss eines rundum gelungenen Tages. Jetzt werde ich noch ein paar Zeitungen lesen, bevor ich später zum Sonnenuntergang noch einmal auf die Brücke gehe. Dort hoffe ich, einige stimmungsvolle Fotos machen zu können.

Der erste Tag an Bord hätte wirklich kaum besser verlaufen können. Die Hektik des Alltags scheint schon jetzt weit entfernt zu sein, und langsam stellt sich genau das ein, worauf ich mich so lange gefreut habe: entschleunigen, die Seeluft genießen und jeden Augenblick dieser besonderen Reise bewusst erleben.

Samstag, 8. August 2026

8.8.2026: Endlich an Bord – und die Deutsche Bahn wollte natürlich auch noch mitspielen

Heute Morgen hieß es früh raus aus den Federn, denn heute sollte es nun wirklich losgehen: meine Frachtschiffreise. Nach einer Woche Verspätung war endlich der Tag gekommen, an dem aus Planung, Warten und ständigem Verschieben tatsächlich eine Reise werden sollte.

Kurz nach sieben habe ich den Bus genommen, und zunächst lief auch alles wunderbar nach Plan. Pünktlich angekommen, weiter Richtung Solingen – und dort meldete sich dann erwartungsgemäß die Deutsche Bahn zu Wort. Der Anschlusszug hatte gefühlt schon rund 15 Minuten Verspätung, und aus diesen 15 Minuten wurde im Laufe der Fahrt immer mehr. Als ich schließlich Hamburg-Harburg erreichte, war daraus ungefähr eine Stunde geworden.

Zum Glück hatte ich genügend Zeit eingeplant. Deshalb konnte ich die Sache erstaunlich gelassen sehen. Hauptsache Hamburg erreichen, alles andere würde sich schon finden.

Von Harburg aus ging es mit dem Taxi weiter zum Containerterminal. Gegen 14 Uhr bin ich dort ausgestiegen – allerdings nicht ganz dort, wo ich eigentlich hätte aussteigen sollen. Mein Taxifahrer hatte mich auf der falschen Seite abgesetzt, sodass ich mit meinem Gepäck erst einmal eine kleine zusätzliche Hafenwanderung einlegen durfte. Wahrscheinlich gehört auch das zur authentischen Frachtschiffreise: Bevor man mit dem Schiff fährt, muss man sich das Einschiffen erst einmal erlaufen.

Irgendwann hatte ich dann aber den richtigen Eingang gefunden und konnte am Containerterminal einchecken. Danach ging es mit dem Shuttle weiter zum Schiff. Und plötzlich war der Moment tatsächlich da: Ich war am Ziel.

Jetzt sitze ich hier unten an Bord und warte erst einmal auf weitere Instruktionen. Noch ist alles neu. Ich muss herausfinden, wo was ist, wie der Tagesablauf funktioniert und natürlich, wo ich überhaupt hinmuss. Genau dieses Gefühl hatte ich mir von der Reise erhofft: etwas völlig anderes als der normale Alltag.

Eine kleine Überraschung gab es übrigens auch beim Liegeplatz. Ursprünglich war immer vom Burchardkai beziehungsweise Tollerort die Rede gewesen, tatsächlich liegen wir nun aber am Eurogate. Bei Frachtschiffen scheint eben nicht nur die Abfahrtszeit eine gewisse Flexibilität zu besitzen, sondern offenbar auch der Abfahrtsort.

Wenn alles nach Plan läuft, bleiben wir noch bis heute Abend hier am Eurogate. Danach heißt es irgendwann: Leinen los. Dann geht es die Elbe hinunter, hinaus auf die Nordsee und weiter Richtung Kristiansand in Norwegen.

Und genau darauf freue ich mich jetzt. Nach all den Verschiebungen, den Planänderungen, dem Kofferpacken, der Zugverspätung und der unfreiwilligen Ehrenrunde am Containerterminal bin ich endlich da.

Jetzt kann die Frachtschiffreise wirklich beginnen. Und irgendwie bin ich gerade gleichzeitig neugierig, gespannt und ein bisschen aufgeregt. Aber genau deshalb mache ich diese Reise schließlich.

14.8.2026: Danzig, die große Kunst des Wartens – und ein neuer Podcast entsteht

Heute haben wir tatsächlich den kompletten Tag in Danzig verbracht. Eigentlich war vorgesehen, dass wir bereits gegen 16 Uhr wieder ablegen....