So langsam geht meine Frachtschiffreise tatsächlich zu Ende. Ein bisschen schade ist das schon, denn inzwischen habe ich mich an das Leben an Bord, die Kammer, die Mahlzeiten und sogar die ständig wechselnden Fahrpläne gewöhnt. Heute stand aber noch einmal ein echtes Highlight auf dem Programm: die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal.
Gestern Abend bin ich extra etwas früher schlafen gegangen, weil ich eigentlich die Schleusung in Kiel-Holtenau beobachten wollte. Als ich in der Nacht das erste Mal auf meine Uhr beziehungsweise die Informationen zur Fahrt geschaut habe, hieß es weiterhin, dass wir gegen 4:30 Uhr schleusen würden. Also habe ich mich beruhigt noch einmal umgedreht und weitergeschlafen.
Als ich dann gegen drei Uhr wieder wach wurde, stellte ich allerdings fest: Wir waren längst durch die Schleuse und bereits ungefähr sechs Kilometer im Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. So viel also zum Thema 4:30 Uhr. Eigentlich hätte ich es nach dieser Reise besser wissen müssen. Fahrpläne und Frachtschiffe führen eben eine eher lockere Beziehung miteinander.
Wenn ich die Schleusung schon verpasst hatte, wollte ich wenigstens die ungewöhnliche Uhrzeit nutzen. Also bin ich runter beziehungsweise nach draußen gegangen und habe die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal in der frühen Morgenstimmung genossen. Dabei entstanden natürlich jede Menge Videos. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, mitten in der Nacht beziehungsweise am frühen Morgen von einem Containerschiff aus durch den Kanal zu fahren?
Besonders schön wurde es gegen sechs Uhr in Rendsburg. Erst vor rund vier Wochen waren wir dort noch im Hotel, als wir auf dem Weg zu unserer Reise nach Hallig Hooge waren. Damals habe ich vom Ufer beziehungsweise vom Hotel aus die Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal beobachtet. Heute war es genau umgekehrt: Diesmal stand ich selbst auf einem Frachtschiff und fuhr an Rendsburg vorbei. Das war schon ein ziemlich besonderer Moment.
Danach gab es wieder das ausgiebige Frühstück an Bord. Und anschließend musste ich dem frühen Aufstehen Tribut zollen. Ich habe mich noch einmal hingelegt – aus dem geplanten kurzen Ausruhen wurden dann ungefähr zwei Stunden Schlaf. Das durfte heute aber auch sein.
Den restlichen Vormittag bis zum Mittagessen habe ich weitgehend draußen verbracht und die Fahrt durch den Kanal genossen. Es gibt dort ständig etwas zu sehen: entgegenkommende Schiffe, kleine Fähren, Häuser direkt am Wasser und immer wieder Menschen, die stehen bleiben und den großen Schiffen hinterherschauen.
Gegen halb eins gab es wie gewohnt Mittagessen. Zunächst Graupensuppe und anschließend Nackensteak mit Kroketten und russischem Salat. Der Nachtisch wäre zwar ebenfalls noch möglich gewesen, aber irgendwann muss selbst ich kapitulieren. Das Essen an Bord ist einfach reichlich, und diesmal habe ich vernünftigerweise auf den Nachtisch verzichtet.
Fast direkt nach dem Mittagessen begann dann die Schleusung in Brunsbüttel. Nachdem ich Kiel-Holtenau verschlafen hatte, wollte ich mir diese Schleuse natürlich auf keinen Fall entgehen lassen. Also stand ich draußen und konnte das gesamte Manöver beobachten.
Inzwischen sind wir durch die Schleuse durch und wieder auf der Elbe beziehungsweise auf dem Weg Richtung Bremerhaven. Dort sollen wir heute Abend eintreffen.
Und damit wird es jetzt tatsächlich Zeit, langsam den Koffer zu packen.
Morgen früh wechseln wir in Bremerhaven noch einmal das Terminal, und anschließend werde ich von Bord gehen. Dann endet eine Reise, auf die ich mich lange gefreut hatte und die am Ende sogar noch eine Woche später begann als ursprünglich geplant.
Hamburg, Kristiansand, Kopenhagen, Danzig, Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal, Brunsbüttel und schließlich Bremerhaven – dazu Nächte mit und ohne Seegang, Landgänge, Containerlärm, gutes Essen, viele Gespräche und unglaublich viele Eindrücke.
Noch ist die Reise nicht ganz vorbei. Eine letzte Nacht an Bord liegt noch vor mir.
Aber morgen heißt es tatsächlich: Koffer nehmen, Gangway runter und wieder zurück in den normalen Alltag. Und ich glaube schon jetzt, dass mir das leichte Brummen des Schiffes ein bisschen fehlen wird.