Heute war also ein ruhiger Feiertag, aber offenbar keiner von der Sorte, die nur aus Frühstück, Sofa, leichter Müdigkeit und der Frage besteht, ob man wirklich schon wieder Hunger haben darf. Nein, dieser Feiertag hatte zwar gemütliche Außentemperatur im Tagesgefühl, aber innerlich lief er mit erstaunlich hohem Arbeitstakt. Nach dem Frühstück wurden erst einmal die Tagesmails beantwortet, also jene digitale Pflichtgymnastik, bei der man den Posteingang daran erinnert, dass er nicht völlig die Kontrolle übernehmen darf. Feiertag hin oder her: Mails kennen keine Besinnlichkeit. Sie liegen da, blinken innerlich und warten darauf, dass jemand sie sortiert, beantwortet oder zumindest mit strengem Blick in einen späteren Zuständigkeitsbereich verschiebt. Heute wurde aber nicht nur geschaut, sondern erledigt. Schon das war ein sauberer erster Haken auf der Tagesliste.
Danach ging es an den Vortrag für Ende Juni zum Thema „Was machen Analysten mit KI?“ – und der wurde fertiggestellt. Das ist ein ziemlich dicker Produktivitätsbrocken, denn ein Vortrag ist ja nie nur ein Vortrag. Er ist Gedankenarchitektur, roter Faden, Folienlogik, Botschaft, Dramaturgie und die leise Angst, dass irgendwo auf Seite 17 noch eine Grafik lauert, die niemand versteht. Gerade beim Thema Analysten und künstliche Intelligenz kommt noch hinzu, dass es nicht nach Technikspielerei klingen darf, sondern nach echter Veränderung im Analyseprozess: Recherche, Mustererkennung, Red-Flag-Screening, Geschäftsberichte, Datenräume, Zusammenfassungen, Fragenkataloge, Produktivitätsgewinn, aber bitte ohne den Eindruck, dass der Analyst künftig nur noch danebensteht und dem Algorithmus Kaffee bringt. Wenn dieser Vortrag jetzt fertig ist, dann ist das ein echter Fortschritt. Nicht „ein bisschen dran gearbeitet“, sondern fertig. Das Wort hat Gewicht. Fertig ist im Arbeitsleben ja beinahe schon Wellness.
Der nächste produktive Schritt folgte direkt hinterher: die Vorlesungsunterlagen für das zweitägige Seminar Mitte Juni wurden aktualisiert. Auch das klingt harmloser, als es ist. Vorlesungsunterlagen sind wie alte Gärten: Man denkt, man müsse nur kurz ein paar Blätter entfernen, und plötzlich steht man knietief in neuen Beispielen, veralteten Formulierungen, ergänzungsbedürftigen Folien und der Frage, warum diese eine Abbildung beim letzten Mal eigentlich noch völlig ausreichend wirkte. Zwei Tage Seminar bedeuten nicht zwei Stunden nettes Durchblättern, sondern Material, Struktur, Übergänge, Praxisbeispiele, Timing und die stille Hoffnung, dass die Teilnehmer am Ende nicht nur höflich nicken, sondern tatsächlich etwas mitnehmen. Auch hier also: kein Feiertagsgeplänkel, sondern solide inhaltliche Arbeit mit Wirkung über den Tag hinaus.
Und als wäre das noch nicht genug, wurden anschließend noch die Texte für die nächste Ausgabe des AG-Reports vorangetrieben. „Vorangetrieben“ ist dabei ein schönes Wort, weil es genau diese produktive Mittelzone beschreibt: noch nicht unbedingt vollständig abgeschlossen, aber deutlich weitergebracht. Texte für einen Report haben ja die Angewohnheit, nicht einfach geschrieben werden zu wollen. Sie wollen präzise sein, anschlussfähig, lesbar, fachlich belastbar und am besten auch noch so formuliert, dass niemand nach drei Sätzen gedanklich aus dem Fenster steigt. Wenn hier heute Fortschritt erzielt wurde, dann ist das ein weiterer kräftiger Punkt auf der Produktivitätsseite.
Parallel lief dann auch noch Codex mit der Transcriptionsapp mit. Das ist im Grunde die technische Nebenbaustelle mit Eigenleben. Während also Mails, Vortrag, Seminarunterlagen und Reporttexte bearbeitet wurden, wurde gleichzeitig an einer App gebastelt, die künftig Transkriptionen ermöglichen soll. Eine Transcriptionsapp ist genau so ein Projekt, das zunächst nach einer klaren Idee klingt und dann sehr schnell in Fragen hineinläuft wie: Welche Datei? Welches Format? Welche Sprache? Welcher Export? Welche Oberfläche? Warum macht der Button das Gegenteil von dem, was er gestern noch versprach? Aber entscheidend ist: Es geht voran. Und „es geht voran“ ist bei App-Projekten oft schon ein ziemlich guter Satz. Gerade wenn Codex nicht nur dekorativ mitläuft, sondern tatsächlich Schritt für Schritt etwas entsteht, dann darf man das als digitalen Fortschritt mit leichtem Bastelkeller-Charme verbuchen.
War der Feiertag produktiv? Ja, sogar sehr. Er war nicht laut, nicht hektisch, nicht von Termin zu Termin gepeitscht, aber inhaltlich erstaunlich stark: Mails beantwortet, einen KI-Analysten-Vortrag fertiggestellt, zweitägige Seminarunterlagen aktualisiert, AG-Report-Texte weitergebracht und parallel an einer Transcriptionsapp gearbeitet. Das ist kein Feiertag, der sich auf der faulen Haut ausgeruht hat. Das ist ein Feiertag, der erst freundlich gefrühstückt und dann still und effizient mehrere berufliche Baustellen geschlossen oder zumindest kräftig vorangeschoben hat. Ruhig war er vielleicht. Unproduktiv ganz sicher nicht.
Donnerstag, 14. Mai 2026
14.5.2026: Der Feiertag, an dem die Produktivität leise hereinkam und sich direkt an den Schreibtisch setzte
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
14.5.2026: Der Feiertag, an dem die Produktivität leise hereinkam und sich direkt an den Schreibtisch setzte
Heute war also ein ruhiger Feiertag, aber offenbar keiner von der Sorte, die nur aus Frühstück, Sofa, leichter Müdigkeit und der Frage beste...
-
Wenn man um 9:30 Uhr aufsteht, denkt man ja noch: „Ach, entspannter Tag, ich bin ja Rentner.“ Tja. Um 11 Uhr schon die erste Etappe des Tage...
-
Manche Tage sind wie ein Puzzlespiel mit verschwundenem Deckelbild: Man weiß, wie’s ungefähr aussehen soll, aber es dauert eben, bis alles p...
-
Was für eine Nacht. Um 4 Uhr früh ging’s los – und nicht etwa mit Frühstück im Bett, sondern mit Blaulicht-Stimmung. Kerstin ist mit Julia w...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen