Mittwoch, 13. Mai 2026

13.5.2026: Der Tag, an dem Spaghetti recycelt und Apps gezähmt werden sollten

Heute begann der Tag nicht mit langem Warmlaufen, sondern direkt im Betriebsmodus. Nach dem Frühstück ging es im Grunde schon Richtung Sportstudio, allerdings nicht ganz ohne beruflichen kleinen Vorspann: vorher noch ein Telefonat mit dem Kollegen und zwei Mails geschrieben. Das ist diese gefährliche Kategorie „nur kurz“, die im Alltag oft harmlos klingt, aber durchaus schon als produktiver Tagesauftakt gelten darf. Andere Menschen suchen morgens noch ihre Brille, hier wurden bereits Abstimmungen erledigt und schriftliche Botschaften in die Welt geschickt. Der Tag hatte also schon vor dem ersten Trainingsgerät die Ärmel hochgekrempelt.

Im Studio folgte dann das übliche 60-Minuten-Programm. „Wie üblich“ klingt dabei fast zu bescheiden, denn genau darin liegt ja der Wert: hingehen, durchziehen, nicht groß verhandeln. Routine ist manchmal der unauffällige Bodyguard der Disziplin. Es muss nicht jedes Mal ein sportliches Erweckungserlebnis mit dramatischer Musik und Zeitlupenschweiß sein. Eine Stunde Training ist eine Stunde Training. Der Körper wurde bewegt, die Geräte wurden benutzt, und der innere Schweinehund durfte vermutlich irgendwo in der Ecke sitzen und beleidigt an seiner Trinkflasche nuckeln. Anschließend noch Sauna – das ist dann die zivilisierte Form von „gut gemacht“. Erst Anstrengung, dann Hitze, dann dieses leicht benommene Gefühl, als hätte der Körper ein internes Update installiert und müsse jetzt kurz neu starten.

Wieder zu Hause gab es eine Kleinigkeit zu essen: die Spaghetti von gestern Abend. Das ist nicht einfach Resteessen, das ist kulinarische Effizienz mit italienischem Unterton. Spaghetti am Folgetag haben ja oft sogar eine eigene Würde, weil sie bereits wissen, was sie sein wollen, und nicht mehr groß erklärt werden müssen. Ein Teller Restpasta nach Sport und Sauna ist praktisch, lecker und ressourcenschonend – also quasi Nachhaltigkeit mit Gabel.

Am Nachmittag wurde dann weiter versucht, eigene Apps zu bauen. Das klingt nach digitalem Abenteuerland mit gelegentlichen Stolperdrähten. Eigene Apps bauen ist ja keine Tätigkeit, sondern eine Beziehungskrise zwischen Idee, Code, Oberfläche, Fehlermeldung und der hartnäckigen Frage, warum etwas, das in der Vorstellung so elegant funktioniert, in der Praxis plötzlich aussieht wie ein Toaster mit Identitätsproblemen. Aber genau dieses Probieren ist produktiv. Nicht jeder Versuch endet sofort in einer fertigen App mit glänzendem Startbildschirm. Manchmal besteht der Fortschritt darin, besser zu verstehen, warum etwas noch nicht funktioniert, oder an welcher Stelle die Technik beschlossen hat, sich wie ein beleidigter Drucker aufzuführen.

Parallel wurden Bücher veröffentlicht. Das ist ein ziemlich handfester Produktivitätspunkt, denn Veröffentlichen heißt: etwas nicht nur vorbereiten, verschieben, verbessern, optimieren und innerlich dreimal neu sortieren, sondern tatsächlich aus der Werkstatt in die Welt schieben. Bücher zu veröffentlichen ist immer ein kleiner Moment zwischen Erleichterung und Kontrollverlust. Solange ein Buch noch in Bearbeitung ist, gehört es einem. Sobald es veröffentlicht ist, steht es draußen im Schaufenster und sagt: „So, jetzt bin ich da.“ Auch wenn nachher immer noch Optimierungen möglich sind, ist das ein echter Abschlussmoment.

Und jetzt wird der PC ausgeschaltet. Das ist manchmal die wichtigste Entscheidung des Tages, weil Computer die unangenehme Fähigkeit haben, immer noch eine Kleinigkeit anzubieten: noch eine Datei, noch ein Test, noch eine Mail, noch ein Upload, noch ein Blick in irgendein Dashboard. Irgendwann muss man das digitale Tier freundlich, aber bestimmt in den Schlaf schicken. Danach wartet ein ruhiger Abend mit Zeitungen und Zeitschriften. Das klingt nach einer angenehm analogen Landung nach einem digitalen Nachmittag. Papier statt Bildschirm, Blättern statt Klicken, Nachlesen statt Debuggen. Genau die richtige Mischung aus Information, Entspannung und dem leisen Gefühl, wieder etwas Überblick in die Welt zu bekommen.

War der Tag produktiv? Ja, eindeutig. Er hatte Berufliches, Sport, Sauna, Resteverwertung mit Stil, App-Experimente, Buchveröffentlichungen und jetzt sogar noch einen geplanten Medienabend ohne Bildschirmstress. Das ist kein Tag, der laut trompetend durch die Tür kam, aber einer, der viele vernünftige Häkchen gesetzt hat. Ein Tag mit Muskelarbeit, Kopfarbeit, Veröffentlichungsarbeit und am Ende hoffentlich etwas Lesefrieden. Genau so darf ein ruhiger Abend aussehen: PC aus, Zeitung auf, Alltag kurz auf lautlos.

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