Heute war eindeutig Einkaufstag, und zwar nicht die harmlose Variante mit „nur schnell Milch holen“, sondern die große Version mit Möbeln, Smart Home, Blumen, Kaffee-Zwischenstation und finalem Discounter-Nachschlag. Erschwerend kam dazu, dass die Nacht vorher mit 63 Prozent Schlafqualität offenbar eher ein halbherziger Reparaturversuch war als echte Erholung. 63 Prozent klingt nach „irgendwie geschlafen“, aber nicht nach „frisch wie ein junger Bürohengst auf ergonomischem Drehstuhl“. Trotzdem ging es mittags los zu IKEA, also in jenes schwedische Paralleluniversum, in dem man eigentlich nur zielgerichtet einkaufen will und am Ende mit einem Wagen voller Dinge dasteht, von denen man vorher nicht wusste, dass das Leben ohne sie unvollständig war.
Der Einkauf dauerte länger als erwartet, was bei IKEA ungefähr so überraschend ist wie ein Inbusschlüssel in der Verpackung. Ein neuer Bürostuhl wurde gekauft, was allerdings sehr sinnvoll klingt, denn wer viel schreibt, Podcasts vorbereitet, Apps testet und Bücher optimiert, sollte nicht auf einem Sitzmöbel arbeiten, das nach drei Stunden Rückenbeschwerde als stille Nebenfigur im Raum steht. Dazu kamen Smart-Home-Dinge, also kleine technische Helfer, die vermutlich künftig das Zuhause intelligenter machen sollen, sofern sie nicht vorher dreimal gekoppelt, entkoppelt, neu gestartet und mit strengem Blick betrachtet werden müssen. Und einige Blumen durften auch mit, damit zwischen Technik, Möbeln und Alltag noch etwas wächst, das nicht nach Firmware-Update fragt.
Am Molenkotten gab es dann Kaffee, und das klingt nach genau dem richtigen Zwischenhalt. Nach IKEA braucht der Mensch einen Moment, in dem er nicht mehr zwischen Regalen, Kartons, Lagerplatznummern und „Haben wir das jetzt wirklich gebraucht?“ navigieren muss. Kaffee ist in solchen Momenten nicht Getränk, sondern mentale Neuformatierung. Danach ging es weiter nach Haan, wo dann auch noch eine neue Couch gekauft wurde. Das ist kein kleiner Einkauf, sondern eine Wohnentscheidung mit Lieferzeit. Acht bis zehn Wochen heißt: Die Couch existiert jetzt schon als Hoffnung, aber noch nicht als Sitzgelegenheit. Sie ist gewissermaßen ein Möbelversprechen auf Raten, eine Zukunft mit Polsterung, die irgendwo zwischen Produktion, Logistik und Vorfreude unterwegs sein wird.
Auf dem Heimweg wurden dann noch ein paar Reste bei Aldi und Lidl eingesammelt. Das war die praktische Ergänzung zum großen Möbel- und Einrichtungstag: erst Zukunft kaufen, dann Abendversorgung sichern. Nach IKEA, Kaffee und Couchkauf noch Discounter mitzunehmen, ist allerdings schon eine beachtliche Einkaufs-Etappe. Das ist nicht mehr bloß Besorgung, das ist Dreikampf mit Einkaufswagen, Parkplätzen und Kassenband.
Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, wurden danach noch schnell ein paar geschäftliche Mails erledigt. „Schnell“ ist dabei natürlich wieder dieses freundliche Wort, das Arbeit harmloser erscheinen lässt, als sie ist. Aber immerhin: Auch dieser Punkt wurde noch abgeräumt. Gerade nach einem solchen Einkaufstag zeigt das eine gewisse Restdisziplin, denn viele hätten nach Couchkauf und IKEA nur noch beschlossen, dass die berufliche Welt bis morgen warten darf.
War der Tag produktiv? Ja, eindeutig, nur eben nicht in der klassischen Schreibtischvariante. Er war haushaltsproduktiv, organisatorisch produktiv und am Ende sogar noch beruflich produktiv. Trotz mäßiger Nacht wurden große Dinge erledigt: neuer Bürostuhl, Smart Home, Blumen, Kaffee als Zwischenrettung, neue Couch bestellt, Lieferzeit akzeptiert, Lebensmittelreste ergänzt und geschäftliche Mails beantwortet. Jetzt den PC auszuschalten ist daher keine Kapitulation, sondern eine vernünftige Amtshandlung. Der Tag hat genug geliefert. Ein ruhiger Abend ist jetzt nicht nur verdient, sondern eigentlich Bestandteil des Möbelkauf-Folgeprogramms.
Freitag, 15. Mai 2026
15.5.2026: Der Tag, an dem IKEA länger dauerte und die Couch erst in acht bis zehn Wochen antwortet
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