Heute begann der Tag erst einmal sehr vernünftig: ausschlafen. Keine hektische Frühschicht, kein dramatischer Sprint in den Alltag, sondern ein kontrollierter Start mit etwas mehr Schlaf. Vermutlich genau richtig, bevor morgen wieder das zweitägige Büroprogramm in Grevenmacher wartet. Danach ging es aber direkt in die moderne Pflichtübung zwischen Öffentlichkeit und Eigenmarketing: Ein LinkedIn-Post beziehungsweise eine Podcast-Bewerbung musste erstellt werden. Podcasts nehmen sich schließlich nicht von allein Reichweite mit. Heute reicht es ja nicht mehr, etwas aufzunehmen – man muss dem Internet auch freundlich zurufen, dass es existiert. Also vermutlich Überschrift formuliert, Bild ausgesucht, Text gebaut, vielleicht noch kurz überlegt, ob das Emoji zu seriös oder zu motiviert wirkt, und dann ab damit in die LinkedIn-Welt.
Anschließend wurden die To-dos abgearbeitet, und zwar in klassischer „Ich fahre mal eben ein paar Sachen erledigen“-Manier, die am Ende meistens nach halber Stadtrundfahrt aussieht. Erst zur Sparkasse Geld holen. Das klingt einfach, ist aber inzwischen fast schon nostalgisch. Bargeld holen hat mittlerweile etwas von „zurück zu den Wurzeln“, bevor man später beim Spieleabend wieder feststellt, dass irgendjemand doch nur Münzen für die Getränkekasse dabeihat.
Danach ging es zum Autofritzen, weil dort vergessen worden war, die Scheibenwischer zu tauschen. Auch schön: Das Auto war offenbar technisch bereit, aber die Scheibenwischer hatten beschlossen, noch einmal in die Verlängerung zu gehen. Immerhin lief alles reibungslos. Keine Diskussionen, kein „das Teil ist leider gerade nicht da“, kein Werkstattdrama. Rein, tauschen, erledigt. Genau so möchte man Werkstatttermine erleben – kurz, schmerzlos und ohne dass am Ende plötzlich noch ein „Wir haben übrigens festgestellt…“ folgt.
Dann ging es weiter zu Aldi, um ein paar Sachen für den heutigen Spieleabend einzukaufen. Das ist die praktische Vorstufe geselliger Abende: Man plant nicht nur Menschen und Spiele, sondern auch Snacks, Getränke und die unausgesprochene Hoffnung, dass niemand am Ende mit leerem Glas und traurigem Blick dasitzt. Anschließend noch zu Edeka für die „Reste“, was im Alltag bedeutet: die Dinge, die Aldi entweder nicht hatte oder bei denen man plötzlich doch Qualitätsansprüche entwickelt hat.
Und genau dort passierte dann das eigentlich Schönste des Einkaufstags: ein alter Kumpane, Erwin, wurde getroffen. Kurz gequatscht zwischen Regalen und Einkaufswagen – diese zufälligen Begegnungen, die den Tag plötzlich menschlicher machen. Supermärkte sind ja manchmal mehr soziale Bühne als Einkaufsort. Man geht eigentlich nur wegen Brot oder Aufschnitt hinein und steht fünf Minuten später zwischen Gemüseabteilung und Kassenband in einer kleinen Zeitreise vergangener Jahre.
Wieder zu Hause gab es erst einmal eine Kleinigkeit zu Mittag. Danach wurde der Nachmittag erneut produktiv: ein paar Bücher fertiggestellt, also wieder echte Veröffentlichungsarbeit mit all den letzten Schritten, die dazugehören. Bücher fertig machen ist ja nicht nur Schreiben, sondern auch Kontrollieren, Optimieren, Formatieren und dieses ewige „Ich schaue nur noch einmal kurz drüber“, das selten wirklich nur einmal passiert.
Dazu kamen noch Dinge rund um Erbschein beziehungsweise Erbschaft für den Vater. Auch hier wieder: keine leichte Nebenaufgabe, sondern etwas, das organisatorisch und emotional gleichzeitig arbeitet. Solche Angelegenheiten erledigt man nicht nebenbei, auch wenn sie äußerlich oft nur nach Formularen und Dokumenten aussehen. Jeder Schritt nach vorne ist dort ein echter Fortschritt.
Und jetzt wird der Spieleabend vorbereitet, bevor morgen früh wieder der Arbeitsmodus Richtung Grevenmacher startet. Das ist eigentlich ein ziemlich guter Tagesabschluss: tagsüber organisiert, erledigt, geschrieben, eingekauft und geregelt – und jetzt noch ein Abend mit Spielen, Gesprächen und hoffentlich keiner Diskussion darüber, wer beim letzten Mal die Regeln falsch erklärt hat.
War der Tag produktiv? Ja, eindeutig. Vielleicht nicht spektakulär, aber sehr komplett: Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Besorgungen erledigt, Auto finalisiert, soziale Kontakte gepflegt, Bücher abgeschlossen, Erbschaftsthemen bearbeitet und den Abend vorbereitet. Das war kein Tag mit großem Feuerwerk, aber einer mit vielen sauberen Häkchen. Und manchmal sind genau diese Tage die stabilsten überhaupt.
Dienstag, 19. Mai 2026
19.5.2026: Der Tag, an dem Edeka zur Netzwerkveranstaltung wurde
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