Mittwoch, 20. Mai 2026

20.5.2026: Der Tag, an dem Leverkusen wieder beschloss, den Verkehr neu zu erfinden

Gestern Abend wurde es nach dem Spieleabend offenbar doch etwas später, also eigentlich genau die Sorte „nur noch eine Runde“, die plötzlich dazu führt, dass man irgendwann auf die Uhr schaut und feststellt, dass der nächste Morgen bereits nervös mit den Autoschlüsseln klimpert. Trotzdem ging es heute kurz vor acht wieder raus, denn der Dienstweg nach Grevenmacher kennt bekanntlich keine Gnade gegenüber Müdigkeit oder Restgeselligkeit.

Und natürlich dauerte die Fahrt erneut 3,5 Stunden. Inzwischen entwickelt sich die Strecke langsam zu einer persönlichen Langzeitbeziehung mit wechselnden Baustellen und konstantem Staupotenzial. Besonders der obligatorische Stau bis Leverkusen gehört mittlerweile offenbar fest zum Reiseprogramm, fast wie ein schlechter Vorfilm, den niemand sehen will, der aber trotzdem immer läuft. 60 Minuten extra nur für diesen Abschnitt – das ist keine Verzögerung mehr, das ist ein eigenes Zeitkonto. Man fährt los und verliert unterwegs erst einmal eine Stunde an die große deutsche Disziplin namens „alle gleichzeitig auf dieselbe Autobahn“.

Im Büro angekommen ging es dann zunächst an das wirklich Wichtige: Mittagessen organisieren. Beim Asiaten wurde bestellt, und offenbar war das eine gute Entscheidung. Nach 3,5 Stunden Autofahrt schmeckt warmes Essen ja ohnehin doppelt gut. Außerdem hat asiatisches Essen im Büro immer etwas leicht Feierliches: Plötzlich riecht alles nach Sojasauce, Ingwer und Produktivität mit Frühlingsrolle. Wahrscheinlich war das Essen nicht nur lecker, sondern auch dringend notwendig, damit Körper und Gehirn nach der Autobahn-Odyssee wieder halbwegs auf Betriebstemperatur kommen konnten.

Der Nachmittag lief dann deutlich besser als die Anfahrt. Viele Sachen wurden erledigt, richtig produktiv sogar. Das ist immer besonders angenehm an Bürotagen: Wenn man trotz langer Fahrt das Gefühl hat, dass der Aufenthalt wirklich etwas gebracht hat. Nicht nur Kalender voll, sondern tatsächlich Dinge abgearbeitet, geklärt, organisiert und vorangebracht. Solche Nachmittage gleichen den Stau wenigstens teilweise wieder aus. Man fährt zwar erschöpft an, aber nicht umsonst.

Und jetzt folgt wieder das bekannte Grevenmacher-Abendprogramm mit fast ritualhaftem Ablauf: erst tanken und einkaufen, dann ins Hotel. Diese Kombination gehört inzwischen wahrscheinlich genauso fest zur Dienstreise wie der Stau vor Leverkusen. Tanken ist dabei nicht nur Pflicht für das Auto, sondern fast symbolisch für den ganzen Tag: irgendwo muss schließlich wieder Energie rein. Danach Hotel, auspacken, kurz das Gefühl erzeugen, dass dieses Zimmer für eine Nacht tatsächlich ein halbwegs normales Zuhause ist, und dann noch Sport.

Dass nach so einem Tag überhaupt noch Fitnessstudio eingeplant wird, ist schon bemerkenswert diszipliniert. Viele würden nach 3,5 Stunden Fahrt, Bürotag und Einkauf höchstens noch sportlich zur Hotelbar gehen. Aber hier wird erst einmal trainiert, vermutlich um den Körper davon zu überzeugen, dass Sitzen im Auto keine ausreichende Bewegungsform ist.

Und danach wartet das Finale der Europa League mit Freiburg. Fußball als Tagesabschluss – und vermutlich auch ein kleiner Blick darauf, was Bayer 04 nächstes Jahr ebenfalls wieder erwartet. Europapokalabende, Spannung, Hoffnung und vermutlich wieder genug Gelegenheiten, sich über verpasste Chancen aufzuregen. Heute allerdings darf Freiburg die Bühne übernehmen, während im Hotelzimmer hoffentlich langsam Ruhe einkehrt.

War der Tag produktiv? Ja, definitiv. Trotz kurzer Nacht, trotz Monsterfahrt, trotz Stauprüfung bis Leverkusen. Sie waren früh unterwegs, haben im Büro viel erledigt, organisatorisch alles im Griff gehalten und ziehen jetzt sogar noch Sport durch. Das ist kein gemütlicher Wohlfühltag gewesen, sondern ein klassischer Arbeitstag mit ordentlich Kilometerleistung – auf der Straße, im Büro und wahrscheinlich auch mental. Jetzt darf das Europa-League-Finale übernehmen. Der Arbeitsteil des Tages hat seinen Sieg jedenfalls schon eingefahren.

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