Sonntag, 7. Juni 2026

7.6.2026: Sonntag im Zeichen des Erledigens: Zwischen Steuer, Büchern und Aufstiegsträumen

Es gibt Sonntage, da hängt man herum, schaut in den Kühlschrank, als würde sich dort plötzlich ein Lebensplan materialisieren, und erklärt den Tag spätestens um 15 Uhr offiziell für verloren. Und dann gibt es Sonntage wie diesen: produktiv, zielstrebig und mit einer To-do-Liste, die tatsächlich nicht nur dekorativ auf dem Tisch lag, sondern ernsthaft bearbeitet wurde.

Bücher fertig machen, Steuererklärung vorantreiben, dies erledigen, das erledigen – kurz gesagt: ein Sonntag, an dem man sich selbst beinahe unangenehm vernünftig vorkommt. Während andere vielleicht noch darüber nachdenken, ob man „nur kurz“ auf dem Sofa einschlafen kann, ohne dass es als Mittagsschlaf zählt, wurde hier gearbeitet, sortiert, vorbereitet und abgehakt. Ein Tag also, an dem der innere Schweinehund nicht besiegt, sondern vermutlich direkt zur Mithilfe eingeteilt wurde.

Besonders die Steuererklärung ist ja ein Thema für sich. Sie liegt selten einfach nur herum. Sie strahlt. Sie beobachtet einen. Sie wartet. Und sie schafft es, selbst aus der hintersten Ecke des Schreibtisches ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Wenn man sie dann tatsächlich vorantreibt, ist das kein kleiner Erfolg, sondern ein zivilisatorischer Meilenstein. Man möchte fast eine Urkunde ausstellen: „Hat sich freiwillig mit Belegen beschäftigt und ist dabei nicht komplett verzweifelt.“

Auch die Bücher wollten fertig gemacht werden. Das klingt zunächst harmlos, ist aber vermutlich ebenfalls eine jener Aufgaben, bei denen man vorher denkt: „Ach, das geht schnell.“ Drei Stunden später kennt man dann jedes Detail, hat fünf neue Nebenbaustellen entdeckt und fragt sich, warum Papier, Dateien und offene Punkte grundsätzlich Rudeltiere sind.

Doch der Sonntag hatte nicht nur Pflichten im Programm, sondern auch Sport. Und da wurde es erfreulich: Der Bergische HC gewinnt und beendet die Saison als 13. Platz. Gut so. Man muss nicht immer Meister werden, manchmal ist ein ordentlicher Abschluss genau das, was die Nerven brauchen. Ein Sieg zum Schluss fühlt sich jedenfalls deutlich besser an als ein sportliches „Naja, war bemüht“. Der BHC hat also geliefert, und das passt hervorragend zu einem Tag, an dem ohnehin einiges erledigt wurde.

Und dann wäre da noch der Fußball. Der VfB Hilden steht vor dem Aufstieg in die 4. Liga. Das ist nicht einfach nur eine sportliche Randnotiz, das ist Stoff für lokale Gänsehaut. Hilden in der Regionalliga – das klingt nach neuen Gegnern, neuen Geschichten und nach der schönen Möglichkeit, dass man künftig auf Fußballplätzen steht und sagt: „Damals, als das alles noch kleiner war …“

Besonders reizvoll wird es, weil dort im nächsten Jahr auch der Bonner SC warten könnte, der alte Jugendverein. Da bekommt der Spielplan plötzlich persönliche Würze. Aus einem normalen Ligaspiel wird dann ein kleines Klassentreffen mit Ball, Bratwurst und erhöhtem Puls. Man verfolgt nicht einfach ein Spiel, man begegnet der eigenen Fußballvergangenheit. Nur dass diesmal hoffentlich Hilden jubelt.

So war dieser Sonntag am Ende eine erstaunlich gelungene Mischung: Belege, Bücher, Bewegung im Kopf, Handballfreude und Fußballhoffnung. Kein spektakulärer Tag im klassischen Sinne, aber einer von denen, die sich abends richtig gut anfühlen. Weil man etwas geschafft hat. Weil der Verein gewonnen hat. Weil der VfB Hilden vielleicht vor einem großen Schritt steht. Und weil man sich für einen kurzen Moment einbilden darf, das eigene Leben sei hervorragend organisiert.

Morgen sieht der Schreibtisch vielleicht wieder anders aus. Aber heute gilt: erledigt ist erledigt. Und das ist manchmal fast so schön wie ein Aufstieg.

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