Freitag, 4. September 2026

4.9.2026: Tempo 30 in Hilden – jetzt wird nachgemessen

Tempo 30 ist in Hilden inzwischen weit mehr als eine Zahl auf einem Verkehrsschild. Kaum ein lokales Verkehrsthema dürfte derzeit so zuverlässig Diskussionen auslösen. Die einen freuen sich über weniger Lärm und einen ruhigeren Verkehrsfluss, die anderen haben das Gefühl, dass sich außer der Zahl auf dem Tacho nicht besonders viel verändert hat. Und weil gefühlte Wahrheit und messbare Wahrheit bekanntlich nicht immer dasselbe sind, soll jetzt noch einmal genauer hingehört werden.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Mobilität hat beschlossen, ein neues Gutachten zur Lärmbelastung auf der Gerresheimer und der Hochdahler Straße erstellen zu lassen. Dafür stellt die Stadt 28.500 Euro bereit. Der Antrag kam von der CDU und erhielt die Stimmen von CDU, FDP und AfD.

Hintergrund ist das dort dauerhaft eingeführte Tempo 30. Die CDU möchte wissen, was die Geschwindigkeitsreduzierung in der Realität tatsächlich gebracht hat. Nicht nur berechnet, sondern gemessen. Nach Angaben der Partei berichten Bürgerinnen und Bürger, dass sie subjektiv keine große Veränderung beim Straßenlärm wahrnehmen. Deshalb sollen die tatsächlichen Schallpegel einschließlich der Schwankungen im Tagesverlauf und möglicher Belastungsspitzen erfasst werden.

Das klingt zunächst ziemlich logisch: Wenn man wissen möchte, ob es leiser geworden ist, stellt man ein Messgerät hin.

Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht.

Denn ein Gutachten zur Lärmsituation gibt es bereits. Und die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass die jetzt gewünschten realen Messungen verkehrsrechtlich gar nicht entscheidend sind. Für entsprechende Anordnungen sind berechnete Beurteilungspegel maßgeblich. Selbst wenn die neuen Messgeräte also zu einem überraschenden Ergebnis kommen sollten, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass Tempo 30 wieder aufgehoben werden müsste.

Damit sind wir mitten in einer ziemlich typischen kommunalpolitischen Diskussion: Was ist eine zusätzliche Information wert, wenn sie anschließend möglicherweise gar keine unmittelbare rechtliche Konsequenz haben kann?

SPD, Grüne und Bürgeraktion/Piraten wollten deshalb kein weiteres Gutachten. Die SPD bezeichnet die zusätzlichen Messungen als „Symbolpolitik ohne rechtlichen Nutzen“. Aus ihrer Sicht ist die Entlastung bereits spürbar: Der Verkehr sei langsamer, dafür aber flüssiger und ruhiger. Auch die Grünen verweisen darauf, dass bereits Geld für ein Gutachten ausgegeben worden sei und es keinen Grund gebe, dessen Ergebnisse infrage zu stellen.

Die Mehrheit im Ausschuss sah das anders.

Nun soll tatsächlich gemessen werden. Nach dem von der Verwaltung beschriebenen möglichen Verfahren könnten an drei Tagen innerhalb einer Woche jeweils 24 Stunden lang Messungen stattfinden. Vorgesehen wären jeweils 15 Messstellen an der Gerresheimer und Hochdahler Straße. Kostenpunkt: 28.500 Euro. Sollten anschließend noch weitere Messungen notwendig erscheinen, müsste die Politik erneut über zusätzliches Geld entscheiden.

Und damit bekommt Hilden ein interessantes kleines Experiment.

Denn am Ende stehen sich drei Dinge gegenüber: die berechnete Lärmbelastung, die tatsächlich gemessenen Werte und das persönliche Empfinden der Menschen, die jeden Tag an diesen Straßen leben. Es wäre durchaus spannend zu sehen, ob alle drei zum gleichen Ergebnis kommen.

Vielleicht bestätigen die Messungen, dass Tempo 30 tatsächlich eine deutliche Lärmentlastung bringt. Vielleicht zeigen sie kaum Unterschiede. Vielleicht stellt sich auch heraus, dass bestimmte Tageszeiten oder einzelne Verkehrsspitzen entscheidender sind als die durchschnittliche Geschwindigkeit.

Genau deshalb sollte man das Ergebnis abwarten, bevor man die 28.500 Euro entweder als gut investiertes Geld oder als überflüssige Ausgabe verbucht.

Eines dürfte allerdings jetzt schon feststehen: Selbst das beste Gutachten der Welt wird die Hildener Diskussion über Tempo 30 wahrscheinlich nicht beenden.

Denn irgendwo zwischen Gerresheimer Straße, Hochdahler Straße, Dezibelwerten und Tachoanzeige gibt es noch eine weitere Maßeinheit, die sich ausgesprochen schlecht wissenschaftlich erfassen lässt:

das persönliche Hildener Verkehrsempfinden.

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