Samstag, 5. September 2026

5.9.2026: Freie Fahrt für alle? Hildens Fußgängerzone und die Sache mit der Rücksicht

Eigentlich steckt die wichtigste Information schon im Namen: Fußgängerzone. Also eine Zone für Fußgänger. In Hilden scheint diese sprachliche Feinheit allerdings gelegentlich etwas großzügiger interpretiert zu werden. Wer durch die Innenstadt läuft, begegnet dort nicht nur Menschen mit Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Kaffeebechern, sondern bisweilen auch Fahrrädern und E-Scootern. Und die bewegen sich naturgemäß etwas schneller als der durchschnittliche Einkaufsbummler.

Inzwischen gibt es offenbar so viele Beschwerden, dass sich auch die Stadt zu Wort meldet. Hinweise aus der Bevölkerung und eigene Beobachtungen zeigten, dass die Fußgängerzone zunehmend von Radfahrenden und E-Scootern befahren werde, erklärt Peter Stuhlträger, Hildens Dezernent für Bau und Umwelt. Auch an anderer Stelle gibt es Probleme. Auf der Pungshausstraße sollen einzelne Radfahrer auf den Gehweg ausweichen, um Fahrbahnanhebungen zu umgehen. Praktisch für den Radfahrer vielleicht – weniger praktisch für den Fußgänger, der an einer Grundstücksausfahrt plötzlich Gesellschaft bekommt.

Die Stadt setzt zunächst auf einen Begriff, der im Straßenverkehr gelegentlich etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint: Rücksichtnahme.

Das klingt vernünftig. Eine Stadt funktioniert schließlich nur, wenn Autofahrer, Radfahrer, E-Scooter-Nutzer und Fußgänger akzeptieren, dass der öffentliche Raum nicht exklusiv für sie reserviert wurde. Gerade dort, wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, braucht es nicht für jede Begegnung eine neue Vorschrift. Manchmal würde es schon helfen, Geschwindigkeit herauszunehmen und den anderen überhaupt wahrzunehmen.

Ganz ohne Regeln geht es allerdings auch nicht. Gehwege sind grundsätzlich Fußgängern vorbehalten. Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen dort Fahrrad fahren, ebenso eine begleitende Aufsichtsperson. Für andere Radfahrer und für E-Scooter gilt: Auf den Gehweg dürfen sie nur, wenn dieser ausdrücklich dafür freigegeben ist.

So weit, so eindeutig.

Interessanter wird die Frage, was passiert, wenn sich jemand nicht daran hält. Denn während die Stadt ausführlich an die gegenseitige Rücksichtnahme appelliert, bleibt offen, ob der Kommunale Ordnungsdienst künftig häufiger kontrollieren oder Verstöße sanktionieren soll. Dabei können beispielsweise für das Fahren mit einem E-Scooter auf einer unzulässigen Verkehrsfläche 15 Euro Bußgeld fällig werden.

Und genau hier beginnt die eigentlich spannende Hildener Diskussion.

Reicht ein Appell?

Wer versehentlich ein paar Meter in einen Bereich fährt, in dem er nicht fahren darf, braucht sicherlich nicht sofort die volle Härte der öffentlichen Ordnung zu spüren. Wer aber regelmäßig durch eine volle Fußgängerzone fährt und erwartet, dass die Fußgänger gefälligst Platz machen, hat den Sinn einer Fußgängerzone möglicherweise nicht vollständig verstanden.

Dabei ist das Problem keineswegs ein Kampf „Fußgänger gegen Radfahrer“ oder „Hilden gegen E-Scooter“. Fahrräder und E-Scooter gehören längst zur Mobilität einer modernen Stadt. Sie können Autofahrten ersetzen, brauchen wenig Platz und sind für kurze Strecken ausgesprochen praktisch. Gerade deshalb sollte man aber darauf achten, dass ihre Akzeptanz nicht durch diejenigen beschädigt wird, die Verkehrsregeln eher als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Vielleicht braucht Hilden also gar keine große neue Verkehrsdebatte. Vielleicht reicht eine ziemlich einfache Vereinbarung: Auf der Straße achten Autofahrer auf Radfahrer und E-Scooter. Auf gemeinsamen Wegen achten alle aufeinander. Und dort, wo Fußgänger Vorrang haben, bekommen sie diesen Vorrang tatsächlich.

Das wäre vermutlich die günstigste Verkehrssicherheitsmaßnahme, die Hilden in diesem Jahr einführen könnte.

Sie kostet exakt null Euro.

Nur ein bisschen Rücksicht.

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5.9.2026: Freie Fahrt für alle? Hildens Fußgängerzone und die Sache mit der Rücksicht

Eigentlich steckt die wichtigste Information schon im Namen: Fußgängerzone. Also eine Zone für Fußgänger. In Hilden scheint diese sprachlich...