Mittwoch, 12. August 2026

12.8.2026: Der Tag, an dem die Abfahrtszeit in Kopenhagen zum beweglichen Ziel wurde

Wir liegen immer noch in Kopenhagen. Eigentlich sollten wir heute um 13 Uhr ablegen. Dann hieß es zwischenzeitlich 16 Uhr, später wurde daraus wieder 13:30 Uhr. Ich lerne auf dieser Frachtschiffreise immer mehr, dass Abfahrtszeiten offenbar eher als freundliche Orientierungshilfe zu verstehen sind. Los geht es eben dann, wenn die Container geladen sind, der Hafen fertig ist und alle anderen Voraussetzungen stimmen. Der Fahrgast – also ich – spielt bei dieser Entscheidung vermutlich eine eher überschaubare Rolle.

Aber genau das gehört zu dieser Reise dazu. Auf einem Frachtschiff richtet sich schließlich nichts nach einem touristischen Fahrplan. Hier werden Container transportiert, und ich darf dabei sein. Also warte ich einfach ab, wann sich unter uns wieder etwas bewegt und wir Kopenhagen tatsächlich verlassen.

Die nächste Etappe führt uns nach Danzig, wo wir morgen Nachmittag ankommen sollen. Für die Überfahrt sieht es ausgesprochen gut aus. Es soll insgesamt ziemlich ruhig bleiben. Lediglich auf Höhe von Bornholm könnte es mit Windstärke drei bis vier etwas windiger werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen dürfte mich das allerdings kaum beeindrucken. Die Überfahrt von Kristiansand nach Kopenhagen hat schließlich deutlich mehr geruckelt, und selbst damit bin ich erstaunlich gut zurechtgekommen.

Inzwischen habe ich ohnehin festgestellt, dass ich nachts auf See fast lieber schlafe als im Hafen. Eigentlich würde man zunächst das Gegenteil vermuten. Wenn das Schiff auf See ein wenig rollt, bewegt sich schließlich ständig die ganze Kammer mit. Aber dieses gleichmäßige Rollen empfinde ich inzwischen eher als angenehm.

Im Hafen sieht das ganz anders aus. Dort liegt das Schiff zwar still, dafür beginnt draußen das große Konzert der Containerlogistik. Container werden angehoben, abgesetzt und verschoben, irgendwo piept immer etwas und zwischendurch gibt es einen ordentlichen Schlag, bei dem man kurz überlegen kann, ob gerade ein Container verladen wurde oder das halbe Schiff auseinandergefallen ist. Besonders nachts bekommt man dabei einen ziemlich guten Eindruck davon, dass man eben nicht in einem schwimmenden Hotel, sondern auf einem arbeitenden Containerschiff unterwegs ist.

Aber genau deshalb bin ich hier. Die Geräusche, die wechselnden Abfahrtszeiten, die Hafenarbeit und das Leben an Bord gehören genauso zu dieser Reise wie die Landgänge und die Stunden draußen auf See. Ich bekomme jeden Tag mehr davon mit, wie dieser Transportbetrieb tatsächlich funktioniert – und dass dabei manches eben nicht minutengenau planbar ist.

Jetzt warte ich also darauf, dass Kopenhagen langsam hinter uns verschwindet. Irgendwann heute Nachmittag wird es hoffentlich heißen: Leinen los und Kurs auf Danzig. Dann freue ich mich wieder auf eine Nacht auf See, diesmal vermutlich mit wenig Wind und ruhigem Wasser.

Und vielleicht ist es tatsächlich so: Während andere Menschen für eine ruhige Nacht möglichst absolute Stille brauchen, freue ich mich inzwischen darauf, wenn endlich die Containerkräne aufhören und stattdessen nur noch das Schiff ein bisschen rollt.

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