Donnerstag, 13. August 2026

13.8.2026: Danzig erreicht – und selbst der Kapitän ist zum ersten Mal hier

Nach einer angenehm ruhigen Überfahrt sind wir heute nach ziemlich genau 24 Stunden Fahrzeit in Danzig angekommen. Gegen halb zwei war es so weit und wir haben festgemacht. Die Fahrt von Kopenhagen hierher verlief wirklich entspannt. Kein größerer Seegang, kein nächtliches Herumrollen in der Kammer und damit eigentlich genau die Art von Überfahrt, die man sich wünschen kann.

Besonders interessant fand ich heute ein Gespräch mit dem Kapitän. Er erzählte mir nämlich, dass selbst er noch nie mit diesem Schiff in Danzig gewesen ist. Der Grund ist ganz einfach: Danzig lag offenbar schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf der Route. Damit bin also nicht nur ich hier auf Entdeckungstour, sondern zumindest ein bisschen auch der Kapitän. Das hätte ich bei Beginn meiner Reise nicht unbedingt erwartet.

Nach dem Anlegen wollte ich eigentlich direkt von Bord gehen und meinen Landgang starten. Aber so einfach funktioniert das auf einer Frachtschiffreise eben nicht. Irgendwie klappte es zunächst nicht mit der Freigabe, sodass ich mich schon damit abgefunden hatte, Danzig möglicherweise wieder nur vom Schiff aus zu sehen.

Kurz vor dem Abendessen tauchte dann allerdings der Agent auf und brachte die gute Nachricht: Um 18 Uhr könnte ich gemeinsam mit der Mannschaft das Terminal verlassen. Da wir aber ohnehin bis morgen gegen 17 Uhr in Danzig liegen sollen, habe ich direkt nachgefragt, ob ich nicht auch morgen früh von Bord gehen könne. Das wäre schließlich deutlich entspannter, als heute Abend noch für ein paar Stunden loszuziehen.

Und tatsächlich: Der Agent bestätigte mir, dass das möglich ist.

Damit steht der Plan für morgen. Nach dem Frühstück soll es gegen acht Uhr von Bord gehen. Dann habe ich genügend Zeit, mir Danzig in Ruhe anzusehen. Nach Kristiansand, wo gar kein Landgang möglich war, und Kopenhagen mit meinem schönen Stadtspaziergang freue ich mich jetzt besonders darauf, auch Danzig zu Fuß zu erkunden.

Den heutigen Tag habe ich deshalb ganz bewusst ruhig verbracht. Ich habe viel gelesen, einige Podcasts gehört und mich bei YouTube umgesehen. Natürlich bleibt es bei mir selten beim einfachen Anschauen. Schnell entstehen wieder neue Ideen, und ehe ich mich versehe, überlege ich schon, was man daraus für eigene Projekte machen könnte. Selbst auf einem Frachtschiff gelingt es mir offenbar nicht vollständig, den Ideenmodus auszuschalten.

Währenddessen läuft draußen der eigentliche Zweck unseres Aufenthalts auf Hochtouren. Container werden gelöscht und neue geladen. Erstaunlicherweise bekomme ich davon im Moment gar nicht besonders viel mit. Nach der ziemlich geräuschvollen Nacht in Kopenhagen hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass es hier ähnlich wird.

Allerdings ist der heutige Hafenaufenthalt noch nicht ganz so ruhig, wie er im Moment wirkt. Gegen 23 Uhr steht nämlich noch ein kleiner Umzug an. Wir wechseln innerhalb des Hafens das Terminal. Das bedeutet: Leinen los, einmal auf die gegenüberliegende Seite fahren, dort wieder anlegen und anschließend geht das Löschen und Laden der Container weiter.

Auch das ist wieder so ein Erlebnis, das diese Reise für mich besonders macht. Auf einem Kreuzfahrtschiff würde vermutlich niemand nachts um elf sagen: Wir fahren jetzt einmal kurz auf die andere Seite des Hafens, weil dort noch ein paar Container warten. Hier gehört genau das zum normalen Arbeitsalltag.

Ich werde mir das Manöver nach Möglichkeit natürlich anschauen. Und danach hoffe ich auf eine einigermaßen ruhige Nacht, denn morgen möchte ich früh raus. Nach dem Frühstück wartet endlich Danzig auf mich.

Heute war damit vielleicht kein spektakulärer Tag, aber genau diese ruhigen Stunden gehören für mich inzwischen genauso zu dieser Reise. Lesen, Podcasts hören, neue Ideen entwickeln, zwischendurch auf den Hafen schauen und beobachten, wie ein Containerschiff seinen ganz normalen Arbeitsalltag absolviert.

Und morgen tausche ich dann für ein paar Stunden Stahl, Container und Terminal gegen Danzig ein.

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