Freitag, 14. August 2026

14.8.2026: Danzig, die große Kunst des Wartens – und ein neuer Podcast entsteht

Heute haben wir tatsächlich den kompletten Tag in Danzig verbracht. Eigentlich war vorgesehen, dass wir bereits gegen 16 Uhr wieder ablegen. Aber wenn ich auf dieser Frachtschiffreise eines gelernt habe, dann dies: Abfahrtszeiten haben manchmal eher den Charakter einer unverbindlichen Absichtserklärung. Inzwischen steht die nächste Variante fest: Morgen früh um fünf Uhr soll es weitergehen. Mal schauen, ob Schiff, Hafen und Container das genauso sehen.

Aber der Reihe nach. Nach dem Frühstück wollte ich eigentlich noch einmal von Bord und zumindest für kurze Zeit raus. Große touristische Ambitionen hatte ich gar nicht. Mir hätten ungefähr 20 Minuten gereicht, um ein paar Zigaretten und etwas zu trinken zu kaufen. Allerdings stellte sich heraus, dass ein Taxi ewig gebraucht hätte, um überhaupt bis zum Terminal zu kommen. Für einen 20-minütigen Einkauf eine halbe Weltreise zu organisieren, erschien mir dann doch etwas übertrieben. Also habe ich beschlossen, einfach an Bord zu bleiben.

Den Vormittag konnte ich trotzdem hervorragend nutzen. Ich habe Podcasts gehört, Zeitungen gelesen und mich meinen Büchern gewidmet. Langweilig wird mir an Bord erstaunlicherweise überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich genieße diese Phasen, in denen einfach einmal niemand etwas von mir möchte und ich selbst entscheiden kann, ob ich lese, höre, nach draußen schaue oder an irgendeiner neuen Idee bastle.

Mittags wartete dann wieder unser Koch mit der nächsten Mahlzeit. Als Vorspeise gab es eine Rote-Bete-Suppe oder zumindest etwas, das ziemlich stark in diese Richtung ging. Wie auch immer der korrekte Name lautete: Sie war richtig lecker. Anschließend gab es – schließlich ist Freitag – Lachs mit Kartoffeln. Auch das hat wieder hervorragend geschmeckt.

Eigentlich sollte unser Schiff gegen 18:30 Uhr noch einmal das Terminal wechseln. Danach war vorgesehen, auf Reede zu gehen. Aber auch dieser Plan entwickelte während des Tages ein gewisses Eigenleben. Aus 18:30 Uhr wurde irgendwann ungefähr 20 Uhr. Mittlerweile nehme ich solche Änderungen ziemlich gelassen. Ich muss schließlich nicht navigieren. Ich muss nur dort sein, wo das Schiff gerade ist – und das gelingt mir bislang ausgesprochen zuverlässig.

Das Abendessen habe ich heute ganz bewusst ausfallen lassen. Dreimal täglich warm und reichlich zu essen ist mir auf Dauer einfach zu viel. Also habe ich mir unten eine Scheibe Brot mit Käse gemacht. Das hat völlig gereicht und war nach dem üppigen Mittagessen genau das Richtige.

Und natürlich wäre ich nicht ich, wenn aus einem ruhigen Tag nicht schon wieder ein neues Projekt entstehen würde. Gerade sitze ich an der Vorbereitung eines neuen Podcasts rund um deutsche Kfz-Kennzeichen. „Kennzeichen Klugscheißer“ oder „Klugscheißer-Kennzeichen“ – über die endgültige Reihenfolge lässt sich vielleicht noch diskutieren. Die ersten Kapitel beziehungsweise Folgenideen sind jedenfalls bereits geschrieben. Ausgerechnet auf einem Containerschiff in Danzig entsteht also gerade ein neuer Podcast. Warum auch nicht?

Parallel dazu werden die Aufnahmen meiner Dashcam auf das Notebook kopiert. Inzwischen ist einiges an Bild- und Videomaterial von der Reise zusammengekommen. Ich möchte mir anschauen, was davon brauchbar ist und ob ich daraus bereits etwas zusammenstellen kann. Vielleicht entsteht aus dieser Reise am Ende deutlich mehr als nur ein Tagebuch.

Jetzt wird der Abend langsam ruhig. Wenn der aktuelle Plan tatsächlich Bestand hat, heißt es morgen früh um fünf Uhr: Leinen los in Danzig. Danach liegen ungefähr 24 Stunden Fahrt vor uns, bis wir Kiel-Holtenau und damit die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal erreichen.

Und irgendwie freue ich mich darauf. Nach Kristiansand, Kopenhagen und Danzig beginnt damit langsam die letzte große Etappe dieser Frachtschiffreise. Aber bevor ich sentimental werde, warten erst einmal Ostsee, Kiel und der Nord-Ostsee-Kanal.

Vorausgesetzt natürlich, fünf Uhr bedeutet diesmal tatsächlich fünf Uhr.

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14.8.2026: Danzig, die große Kunst des Wartens – und ein neuer Podcast entsteht

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