Samstag, 15. August 2026

15.8.2026: Ein Seetag zum Genießen – und plötzlich heißt das Ziel Bremerhaven

Heute Morgen um zwei Uhr war es dann tatsächlich so weit: Wir haben Danzig verlassen. Aus den ursprünglich einmal genannten Abfahrtszeiten war am Ende also zwei Uhr nachts geworden. Nach einer Woche auf dem Frachtschiff überrascht mich das inzwischen allerdings kaum noch. Ich habe gelernt: Ein Fahrplan ist hier eine durchaus interessante Information – die Wirklichkeit entscheidet aber der Hafen.

Damit lag heute ein kompletter Seetag vor uns. Unser nächstes Ziel ist Kiel-Holtenau, das wir voraussichtlich in der kommenden Nacht gegen zwei Uhr erreichen werden. Dort wartet dann eines der Highlights dieser Reise auf mich: die Schleusung in den Nord-Ostsee-Kanal. Laut Fahrplan ist unsere Schleusenzeit allerdings erst für 4:30 Uhr vorgesehen. Es könnte also sein, dass wir vor Kiel noch ein wenig warten müssen. Aber auch darin habe ich inzwischen ausreichend Übung.

Auf die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal freue ich mich ganz besonders. Bislang waren es vor allem die Häfen und die Fahrten über Nord- und Ostsee, die diese Reise geprägt haben. Jetzt mit einem großen Containerschiff durch den Kanal zu fahren, die Schleusen zu erleben und die Landschaft direkt vom Schiff aus vorbeiziehen zu sehen, wird sicherlich noch einmal etwas völlig anderes. Dafür werde ich wahrscheinlich auch zu einer Uhrzeit aufstehen, zu der normale Menschen noch nicht einmal darüber nachdenken, wo die Kaffeemaschine steht.

Den heutigen Seetag habe ich jedenfalls richtig genossen. Kein Landgang, keine großen Pläne und kein Gedanke daran, irgendwo zu einer bestimmten Uhrzeit sein zu müssen. Ich habe viel gelesen, Podcasts gehört, ein paar Dinge erledigt und ansonsten einfach das Leben an Bord genossen. Nach den vergangenen Tagen fühlt sich das inzwischen erstaunlich vertraut an. Man kennt die Abläufe, weiß, wann es Essen gibt, wo man seine Ruhe hat und an welchen Stellen man einfach nur stehen und aufs Meer schauen kann.

Natürlich wurde auch heute wieder hervorragend für uns gekocht. Mittags gab es einen leckeren Eintopf, genau das Richtige für einen Tag auf See. Abends wartete dann Schweinefilet auf uns. Über das Essen kann ich mich auf dieser Reise wirklich nicht beschweren. Eher muss ich aufpassen, dass ich nach der Reise nicht ein zusätzliches Gepäckstück für mich selbst buchen muss.

Eine wichtige Entscheidung haben Knut und ich heute ebenfalls getroffen. Wir werden die Reise bereits am Montagmorgen in Bremerhaven beenden. Ursprünglich wäre das Schiff dort noch ungefähr einen Tag liegen geblieben, bevor es anschließend weiter nach Hamburg gegangen wäre. Für uns hätte das bedeutet: einen zusätzlichen Hafentag abwarten, noch einmal nach Hamburg fahren und von dort wieder die Heimreise antreten.

Das ergibt für meine Terminplanung wenig Sinn. Also steigen wir in Bremerhaven aus. Damit endet meine Frachtschiffreise zwar etwas früher als ursprünglich gedacht, aber ich habe trotzdem die komplette große Runde erlebt: Hamburg, Kristiansand, Kopenhagen, Danzig, Ostsee, Nord-Ostsee-Kanal und schließlich Bremerhaven. Das kann sich wirklich sehen lassen.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die kommende Nacht. Irgendwann gegen zwei Uhr sollten wir Kiel-Holtenau erreichen, irgendwann danach hoffentlich in die Schleuse fahren und anschließend beginnt die Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal.

Schlafen kann ich zu Hause schließlich wieder. So eine Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal erlebt man auf einem Containerschiff schließlich nicht jeden Sonntagmorgen.

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